Freiwilliges Soziales Jahr in Griechenland

Sophie Riepenau

In der Nähe von Thessaloniki verbringt Sophie Riepenau ihr Freiwilliges Soziales Jahr 2016/17 in der Natureschool in Epanomi. Nach vier Monaten hat sie für uns ihre Erfahrungen in ihrer Einsatzstelle und ihre Gedanken aufgeschrieben.

<< παμε εξω με τη κυρια σοφια >> (ihr geht raus mit Frau Sofia)

Das ist wohl einer der häufigsten und besten Sätze welchen ich nahezu täglich bei meiner Einsatzstelle zu hören bekomme. Ich darf raus, mit den Kindern, mit einem Fußball und einfach nur spielen.

το σχολειο της φυσης, die Natureschool in Epanomi, nähe Thessaloniki, ist ein ganz toller Kindergarten, welcher durch viele verschiedene Aktivitäten, versucht, den Kindern ihre eigene Persönlichkeit näherzubringen, bzw sie zu entfalten.

Und ich liebe diese Kinder. Sie sind mir schon in den ersten Wochen ans Herz gewachsen und jetzt weiß ich nicht wie ich die Weihnachtsferien ohne meine Kinder meistern soll. Sie sind wundervoll und genießen meiner Meinung eine tolle Erziehung und Ausbildung in der School of Nature.

Mein Arbeitstag beginnt gegen 10 Uhr. Ich gehe in meine Gruppe bestehend aus ca 20 Kindern im Alter von 4-6 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt beenden die Kinder meistens das Frühstück und bis zum gemeinsamen Mittagessen, um 13 Uhr, füllen wir diese Stunden jeden Tag unterschiedlich. An manchen Tagen verbringen wir den ganzen Tag draußen nur am Spielen oder mit Schnitzeljagden, mit Wanderungen, im Wald oder verschiedenen Sport Parcours. Nach draußen geht es zu jeder Jahreszeit und auch beim strömenden Regen und eisiger Kälte. Hauptsache raus! Aber auch drinnen haben wir viel zu tun. Da nun viele in ihrem letzten Jahr in der School of Nature sind, stehen natürlich ein paar Grundlegende Lernstoffe an. So üben wir am Alphabet und auch die Zahlen. Welche wir auch regelmäßig auf Deutsch lernen!

Ich bereite das Essen vor für die älteren Kinder (4 Gruppen). Das heißt ich fange ab 12 Uhr an das Essen warm zu machen und den Gruppen zu bringen. Ich habe aber nicht nur während des Essens viel mit den 4 Gruppen zu tun. Da wir alle im Untergeschoss sind, bin ich eine Hilfe in jeder dieser Gruppen - mal mehr und mal weniger. Das bedeutet für mich immer Abwechslung, verschiedene Kinder und verschiedene Erziehungsformen.

Nach dem Essen steht denn der eher spaßige Teil des Tages an, denn dann werden die Klassen geputzt und das Esstalent ist noch nicht bei allen komplett ausgeprägt. Jedoch lernen meine Kinder das selbstständige putzen. So bleibt zwar nicht alles an mir hängen, dauert jedoch gefühlte Stunden länger, sodass, bis die Kinder ab 14:30 nach und nach zum Schulbus aufbrechen, nur noch Zeit für ein paar Spiele, Geschichten, oder natürlich etwas Zeit draußen beim Spielen verbleibt.

Um kurz vor Drei steige ich mit in den Schulbus und bin dann dafür verantwortlich die Eltern rechtzeitig anzurufen und die Kinder zu „übergeben“. Mir macht die Arbeit Spaß. Es ist in vieler Hinsicht sehr spannend, vor allem wenn man schon mal mit Kindern gearbeitet hat und dies nun in einer komplett anderen Kultur und Sprache zu erleben.

Die Menschen, die dort arbeiten, sind, natürlich typisch griechisch, nicht gerade verschlossen und werfen dich sofort in dein Arbeitsumfeld. Dort wurde ich auch sehr nett aufgenommen. Ich bin eine Freiwillige. Ich bin eine Arbeitskraft, die sich dazu entschieden hat, dort unter die Arme zu greifen und zu versuchen den Mitarbeitern etwas Last abzunehmen, mich selbstständig zu integrieren und mich einzubringen. Darauf zu warten, dass dich jemand zum Kaffee und Kuchen einlädt um mit dir zu plaudern nützt nichts. Das wird nicht passieren. Und auch wenn das natürlich klar ist, muss man sich das zwischendurch immer wieder bewusst machen und immer wieder realisieren, dass wir hier sind zum Arbeiten. Hauptsächlich zum Arbeiten.

Man darf nicht erwarten, dass man als deutsche DRK-Freiwillige auch nur irgendwie bemuttert wird, oder das vielleicht jemand dich mit Ideen Reichtum beschenkt wie du dich besser einbringen könntest oder sonstiges. Das sind unsere Aufgaben. Es ist unsere Aufgaben uns einzubringen, Ideen vorzuschlagen, sie umzusetzen. Das wird einem nie jemand abnehmen. Auch wenn sich das vielleicht negativ anhört, im Gegenteil.

Es ist eine Herausforderung und die Freude, die du bei deinen Mitarbeitern siehst, wenn sie merken, dass du ein Teil sein möchtest, dass du dabei sein möchtest und dich wirklich für die ganze Einrichtung interessierst, das war bis jetzt eine der wichtigsten und schönsten Erfahrungen für mich.

Die Arbeit macht mir Spaß, aber sie ist auch sehr anstrengend. Nicht unbedingt körperlich (auch wenn Kinder eine enorme Ausdauer haben ) mehr psychisch. Den ganzen Tag ist es laut, nicht eine Minute hat man für sich und in einer Tour eine Sprache die man nicht versteht, die einem keiner übersetzt. Das ist unglaublich anstrengend für den Kopf. Jedoch fast noch anstrengender ist es nach Hause zu kommen, der Alltag außerhalb der Arbeit.

Zu realisieren, dass man auch in einem sehr offenen Land nicht sofort Freundschaften schließt, dass man nicht immer mit jedem auf einer Wellenlänge ist, und selbst wenn, dass es nie an die Vertrautheit heranreicht, welche dich mit deiner Familie und deinen besten Freunden verbindet und wie wichtig so eine Beziehung ist, um sich zuhause zu fühlen.

Ich versuche nur herauszufinden, was ich liebe, was ich mag, was mir gefällt. Kleinigkeiten. Die ich bis jetzt noch nicht realisiert oder zu schätzen gewusst habe. Denn es sind genau die Dinge die einen das meiste Glück schenken, oder? Die kleinen Dinge im Leben. Und ich liebe Kaffee. Und Tee. Und ich liebe es meine Küche schön eingerichtet zu haben.

Während meines Auslandsjahres fehlen mir nun die großen Dinge. Meine geliebte Familie, meine liebsten Freunde und meine vertraute Umgebung. Genau deshalb mache ich mich nun auf die Suche nach Dingen, die mich genauso erfüllen nur anders. Die mich glücklich machen.

Nach vier Monaten kann ich eindeutig sagen, dass so ziemlich alles, was ich mir vorgestellt habe, anders verläuft. Dass alles um einiges schwieriger ist als ich dachte. Das sich mein Freiheitsdrang in ein großes Heimweh entwickelt und das diese Entscheidung die einzig richtige ist, denn aus jedem Tag nehme ich etwas mit, aus jeder Kleinigkeit versuche ich Kraft zu schöpfen und jeder Tag, jedes Gefühl lehrt mich etwas neues, und dafür bin ich unglaublich dankbar.

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