Freiwillies Soziales Jahr in Finnland

Lisa Wagner

Lisa Wagner ist über FreiWerk im finnischen Kindergarten in Kerava tätig und erzählt uns ein bisschen über ihre Arbeit dort:

Ich arbeite im Taidepäiväkoti Konsti das ist der rein finnische Kindergarten in Kerava, der besonderen Wert auf die kreative Erziehung mit Kunst und Musik legt. Ich wurde einer Gruppe mit 3-5 jährigem zugeteilt und verbringe dort den größten Teil meiner Zeit. Zusammen mit Paivi der Putzfrau halte ich das Haus in Schuss. Jeder ist für drei Gruppen verantwortlich, d.h. ich muss die Schlafräume, Toiletten, Eingänge, Essens- und Umkleideräume täglich putzen. Ich spiele mit den Kindern ziemliche viel, gehe aber auch auf Ausflüge mit, wie z.B. zum Schlittschuhlaufen.

Mein Arbeitstag beginnt um 8:00 und ich starte mit dem Wischen der Schlafräume und dem putzen der Toiletten. Um 11:00 beginnt das Mittagessen. Bevor es aber zum Essen rein geht, wird oft noch vorgelesen und es werden rhythmische Spiele veranstaltet. Nach dem Essen beginnt die zweite etwas stressigere Phase, denn ich muss die Essens- und Umkleideräume wischen. Danach habe ich erstmal Pause, die gestaltet sich immer unterschiedlich lang, je nach dem, wann ich mit Wischen fertig bin. Während der Pause bin ich mit den anderen Erziehern im Kaffeeraum. Dort gibt es immer Kaffee und Tee, aber auch manchmal Kuchen, Kekse oder andere Sachen zum schnabulieren. Danach gehe ich entweder zu den Kindern, um noch bis zum Snack um 13:45 mit ihnen zu spielen. Dort lässt sich auch sehr gut mit den Kindern basteln oder Brettspiele spielen. Ich helfe meistens bei der Essensausgabe mit. Ab jetzt beginnt der aufregendste und beste Teil meines Tages! Jetzt wird gespielt, bis es wieder rausgeht und das macht mir einen riesen Spaß. Die Kinder binden mich in ihre Spiele mit ein und es ist fast jeden Tag eine andere Gruppe, in der ich mitspiele. Es ist zwar nicht auf dem höchsten intellektuellen Niveau, bereitet mir jedoch eine große Freude. Auch das anschließende Anziehen der Kinder gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Dieser Tagesablauf ist nur das Grundgerüst, denn die Tagesabläufe unterscheiden sich von Tag zu Tag, denn es werden Ausflüge dazwischen geschoben, die Kinder haben Malstunde oder momentan gehen die 5-jährigen Dienstags Schlittschuhlaufen.

Welche Situation war für dich in den letzten Monaten besonders schön?

Da gibt es mehrere, denn ich fand es am Anfang besonders schwer mich in die Gruppe einzufügen. Es gab das große Problem der Sprachbarriere und meine eigene Unsicherheit. Einer der ersten schönen Momente war, dass ein kleiner Junge immer wieder zu mir gesagt hat, dass ich möglichst schnell Finnisch lernen muss und er mir dabei hilft. Das nächste war, dass ein kleines Mädchen keine Angst vor mir hatte und mich am Anfang ziemlich beansprucht hat, was ein tolles Gefühl war. Nach fünf Wochen kam dann ein zweites Mädchen wieder in den Kindergarten, die mich auch von Anfang an ins Herz geschlossen hat. Mit ihr war es noch extremer, als mit dem ersten Mädchen. Aber das allerschönste ist, wenn sich eins der Kinder in meinen Schneidersitz setzt um mit mir ein Buch anzuschauen oder einfach in meinem Schoß zu sitzen, wenn wir eine Morgenrunde haben oder auf das Essen warten. Auch als ich zwei Tage die ganz Kleinen besucht habe, war an sich auch wunderschön, denn die waren auch total offen und haben sich nach 5 Minuten des Kennenlernens auch in meine Arme und meinen Schoß geworfen. Naja, worauf ich zurückkommen will... während meiner Abwesenheit wurde in meiner Gruppe oft nach mir gefragt, denn die Kinder haben mich gesehen, aber ich war trotzdem nicht in der Gruppe. Das hat mir das erste Mal richtig vor Augen geführt, dass ich Teil der Gruppe bin, nicht mehr die Neue und das ich vermisst werde. Ja generell habe ich mit jedem Kind mindestens einen schönen Moment erlebt, aber es wäre zu viel, alles einzeln aufzuzählen. Denn die schönsten Momente sind eigentlich die kleinen, die mir jeden Tag den Tag versüßen.

Was war für dich die größte Herausforderung in den letzten Monaten?

Das offensichtliche ist natürlich die Sprache und das ist natürlich immer noch aktuell. Jedoch habe ich auch große Fortschritte gemacht, denn ich weiß jetzt fast immer, was die Kinder von mit wollen und kann mit grammatikalisch falschen Satz- und Wort Konstrukten um mich schmeißen. Mittlerweile wissen die Kinder auch, was ich von ihnen will, wenn ich unverständliches Zeug von mir gebe. Jetzt war ich mit den Kindern auf jeden Fall schon mal befreundet, aber dann kam der Part, an dem ich mich als Autoritätsperson durchsetzten muss und das ist auch immer noch eine harte Nuss, die ich zu knacken habe. Am Anfang war es auch ziemlich schwer sich in die Gruppe mit einzubringen, denn anfangs trat die finnische Ader bei vielen Erziehern hervor und sie haben kaum mit mir geredet und auch verstärkt durch die Sprachbarriere war es schwer zu den Kindern durchzudringen.

Was möchtest du in den kommenden Monaten noch erreichen?

Ich möchte mit der Sprache weiter vorankommen, um den Kindern vielleicht auch irgendwann mal richtige Antworten geben zu können, aber auch um mal die Erwachsenen zu verstehen. Ich möchte noch autoritärer handeln können und im Ganzen noch etwas selbstbewusster werden. Aber ich möchte auch mehr neue Menschen kennenlernen, so viel reisen, wie es geht und es einfach genießen hier zu sein.

 Gibt es sonst noch etwas, was du uns sagen möchtest?

Mir gefällt es hier in Finnland außerordentlich gut und ich zähle die Entscheidung hier hinzugehen zu den besten Entscheidungen meines Lebens, denn so eine Chance ist einfach einzigartig und lässt sich nicht nachholen. Ich bin so froh, das alles hier erleben zu können und freue mich, dass erst ein ¼ des Jahres vorbei ist und ich noch ¾ vor mir habe.

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