Freiwilliges Soziales Jahr auf Malta

Leon Walter

Leon Walter absolviert sein Freiwilliges Soziales Jahr derzeit auf Malta. Wir haben ihn gebeten, uns einen Erfahrungsbericht anzufertigen und zu berichten, wie er die maltesische Kultur und seinen Alltag bisher erlebt hat:

Mehr als acht Monate bin ich mittlerweile auf Malta und habe schon einiges erlebt und die Gastkultur intensiv wahrgenommen. Einen wirklichen Kulturschock, mit einem Gefühl von Heimweh o.ä. für längere Zeit, habe ich bei mir jedoch nicht wahrgenommen. Ich hatte allerdings über einen gewissen Zeitraum gelegentlich einzelne Tage, an denen ich weniger gut drauf war und ich daran gedacht habe, dass manchmal “zu Hause” alles einfacher wäre. Wirklich oft ist es mir allerdings nicht so ergangen und ich denke auch, dass man/ich an jedem Ort oder in jeder Lebenslage ab und zu Tage hat, an denen die Stimmung etwas kippt.

Wenn ich jetzt zurück denke, habe ich dies bei mir vor allem gegen November und Anfang Dezember wahrgenommen. Über Weihnachten und Silvester beispielsweise hatte ich keine dieser Phasen, es ging mir sehr gut und ich bin froh, dass ich auf Malta geblieben bin!

Hatte ich mal einen Tag, an dem ich leichtes Heimweh verspürt habe, bin ich damit eher spontan und instinktiv umgegangen. Mal hatte ich eben das Gefühl einen ruhigen Abend für mich zu brauchen und an anderen Tagen habe ich mich dazu überwunden wegzugehen und habe es dann eigentlich auch nie bereut oder sogar gezielt Leute gefragt, ob sie Zeit haben. So ging es mir eigentlich immer am nächsten Tag besser. Insgesamt fühle ich mich sehr wohl und bin froh einen guten Freundeskreis zu haben. Da aber jeder Freiwillige für maximal ein Jahr (wie ich) oder auch nur Wochen oder Monate bleibt, ist es immer schade, wenn jemand geht, dem man nahe stand.

Natürlich gibt es einige Aspekte, die ich an der maltesischen Kultur allgemein angenehm finde und solche, die ich weniger mag. Ein elementarer Unterschied zu Deutschland ist für mich die allgemeine Gelassenheit und Entspanntheit, die man stets spürt und die auch ich schon zu Teilen übernommen habe. Es fühlt sich für mich teilweise so an, als würde die Zeit ein wenig langsamer laufen und ich hab für mich nach eigener Einschätzung mittlerweile ein gutes Maß an Lockerheit gefunden bei dem ich trotzdem eine gewisse Professionalität bei der Arbeit beibehalte. Und obwohl ich nun schon einige Zeit hier auf Malta bin und ich mir auch selbst immer sage, dass ich in meiner Freizeit nicht unter Zeitdruck stehe, erinnere ich mich doch zum Beispiel an die ein oder andere Busfahrt, die mich fast zur Weißglut getrieben hat, als der verklemmte Deutsche aus mir herausgetreten ist.

Des Weiteren merkt man, dass ein Großteil der Malteser ihre Verbundenheit mit dem Land und der Kultur gerne durch die maltesische Sprache ausdrücken, was zunächst natürlich erstmal keinem vorzuwerfen ist (im Gegenteil). Dennoch kann es beizeiten frustrierend werden, wenn auf der Arbeit genau neben einem nur maltesisch geredet wird und man quasi nichts versteht, wo man weiß, dass eigentlich jeder Malteser, solange er/sie nicht in sehr fortgeschrittenem Alter ist, Englisch spricht.

Sehr sympathisch finde ich, dass vor allem im Sommer jeden Abend die Promenade, Bars und der Spielplatz bis spätabends voll mit Menschen sind. Marsaskala wirkt dann immer sehr belebt. Ich habe auch einige Übereinstimmungen zwischen der maltesischen und deutschen Kultur wahrgenommen. So hat mich beispielsweise Karneval sehr an Deutschland erinnert. Aspekte, die ich weniger mag kann ich weitestgehend ausblenden bzw. sie begegnen mir eigentlich nicht alltäglich.

In gewisser Hinsicht vermisse ich Deutschland natürlich auch. Allein manche Personen würde ich gerne öfter sehen. Ich denke jedoch, ich habe mich insgesamt gut angepasst. Materiell und kulturell vermisse ich Deutschland insgesamt eher weniger. Malta ist allgemein, was materielle Güter angeht, nicht sehr weit von Deutschland entfernt, kulturell werde ich nach diesem Jahr Malta eher nicht nachweinen, auch wenn es mir für diese Zeit sehr gut gefallen hat. Aber die deutsche Kultur ist auch nicht völlig verloren hier, da ich mit Deutschen zusammen wohne und auch sonst einige Deutsche bei Inspire arbeiten. Was mich auf Dauer wohl auch stören würde ist, dass Malta letztendlich doch sehr klein ist. Für ein Jahr ist es nach meinem Gefühl eine gute Größe, da man anschließend sagen kann, das ganze Land zu kennen, für längere Zeit wäre es dann allerdings doch limitierend.

Es gibt definitiv kulturelle Aspekte, die ich für mich aufgenommen habe und auch fortführen werde, nicht nur aus der maltesischen Kultur. Dadurch, dass hier sehr viele Freiwillige aus diversen Ländern sind und jeder seine eigene Kultur mitbringt, erhält man sehr viele verschiedene Eindrücke und alle Einflüsse die einen erreichen, tragen in gewisser Hinsicht zur Persönlichkeitsbildung bei.

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