Kristina Unsleber

Kristina Unsleber ist 2016/17 für FreiWerk im Bereich NGO Management in Samaná in der Dominikanischen Republik. Sie hat für uns nach vier Monaten eine Liste zusammengestellt, was für sie typisch dominikanisch ist.

ZWISCHENBERICHT AUS DER DOMINIKANISCHEN REPUBLIK

SEPTEMBER BIS DEZEMBER 2016

Vier Monate sind nun bereits seit unserer Ausreise in die Dominikanische Republik Anfang September vergangen. Die vier Monate waren voll von tollen, verrückten und außergewöhnlichen Erlebnissen, neuen Freundschaften sowie erfreulichen und unerfreulichen Überraschungen. Mit meinem ersten Erfahrungsbericht möchte ich einen Einblick in meinen Alltag hier in der Dominikanischen Republik geben. An was denke ich heute zuerst, wenn ich an mein Leben hier in Samana denke?

WAS IST FÜR MICH TYPISCH DOMINIKANISCH?

• Chlor – ist hier Allzweckwaffe. Wir benutzen das eigentlich nahezu für alles, beim Putzen, zum Waschen (zumindest Handtücher und Putzlappen), zum Desinfizieren, zum Schimmel beseitigen, zum Flecken entfernen und gering dosiert nutzen es einige sogar auch zum Eier, Gemüse und Obst desinfizieren; egal was, Chlor hilft! Leider sind mittlerweile auch schon ein paar Sachen vom Chlor ruiniert (bei viel Schimmel ist nicht immer viel Chlor die beste Lösung :D), aber immerhin konnten so alle Bakterien beseitigt werden.

• Motoconchos – das sind die lauten, stinkenden Motorradtaxis, die hier zu Samana gehören, wie die Palmen und das Meer. Überall an jeder Ecke warten die Motoconchofahrer darauf, Touristen, Einheimische und alles, was es sonst noch so gibt, für wenige Pesos zu transportieren. Auf so ein Motorrad passen dann unter Umständen dann auch mal fünf erwachsene Menschen, eine Ziege, zwei große Gasflaschen oder auch eine Waschmaschine.

• Hühner – laufen hier ganz viele auf der Straße umher und wecken uns nahezu jeden Morgen. Dazu ist der Nachbar begeistert von Hahnenkämpfen und besitzt aus diesem Grund sicher sechzehn prächtige Hähne. Und spätestens im Restaurant oder beim Essensverkäufer am Straßenrand kommt man dann nicht mehr am Hühnchen vorbei. Allgegenwärtig sozusagen ;).

• Lärm – Gehört hier einfach dazu. Es ist unheimlich schwer bis nahezu unmöglich in Samana einen stillen Ort zu finden. Die Musik vom Nachbar, die Motoconchos, die Autos mit Lautsprecherdurchsagen, die Hühner, die Hunde, die Alarmanlagen. Irgendetwas macht immer Lärm, egal zu welcher Uhrzeit.

• Obst und Gemüse – kauft man hier entweder auf dem Markt, oder beim Obst- und Gemüsehändler am Straßenrand. Gerade das Obst schmeckt hier meiner Meinung nach noch viel besser als in Deutschland und ist aber gleichzeitig viel günstiger. Im Moment gibt es Chinolas (Maracujas) im Überfluss, dazu Ananas und Papayas. Mit ein bisschen Glück findet man auch mal an einem Stand frisch geraspelte Kokosnuss, nicht vergleichbar zu der aus dem Supermarkt in Deutschland. An Gemüse gibt es auch ganz normal Kartoffeln, Gurken, Tomaten, Paprika, Brokkoli und Blumenkohl, dazu beispielsweise Yucca und einige Sachen, deren spanischen Namen ich mir leider noch nicht merken konnte. Bananen zu finden, wie wir sie kennen, ist nicht die leichteste Aufgabe. Wenn man sie aber doch findet, sind sie noch mal viiiiel besser als die deutschen Bananen (wie eben alles Obst eigentlich). Es gibt aber auch noch Kochbananen (Platanos), die man kochen muss, bevor man sie isst. Daraus kann man zum Beispiel Mangú (Kochbananenbrei) oder Tostones (frittierte Kochbananen) machen, ebenfalls sehr lecker.

• Palmen soweit das Auge reicht – dafür liebe ich Samaná! Genauso finde ich es immer noch richtig cool, dass hier die Obstbäume direkt an der Straße stehen. Vor unseren Häusern gibt es beispielsweise Bananenbäume, Mangobäume und Maracujabäume, und im Garten wächst ein Avocadobaum.

• Mosquitos – der Feind aller. Aus diesem Grund habe ich mein Mückenspray so gut wie immer dabei.

• Ventilatoren – unser bester Freund. Wenn „normales“ Wetter ist, ist vor bzw. unter dem Ventilator der einzige Ort, wo man es ertragen kann, ohne zu zerfließen (wenn selbst der Ventilator nicht mehr hilft bleibt als letzter Ausweg dann nur noch den Kopf in unser Gefrierfach zu halten, sieht aber in der Regel etwas komisch aus). Aber auch jetzt, wo es aktuell wegen des vielen Regens so feucht ist und wir gegen den Schimmel ankämpfen, laufen die Ventilatoren im Dauereinsatz.

• Colmados – sind die kleinen Tante-Emma-Läden an jeder Straßenecke. Die sind noch mal kleiner als die „Supermärkte“ in Samaná, erstaunlicherweise bekommt man dort aber trotzdem nahezu alles, was man braucht. Eier, Milch, Nudeln, Öl, Getränke, Kekse, Chips, z.T. Gemüse, Reis, Rum, Toilettenpapier, Seife, Spülmittel, alles was man so spontan im Notfall mal gebrauchen könnte. Ein Colmado ist allerdings nicht wie ein Supermarkt aufgebaut mit Regalen, an denen man sich selbst bedient, sondern man sagt an der Theke Bescheid, was man haben möchte und dann sucht der Mitarbeiter dir die Sachen zusammen.

• Guaguas (…spricht man aus wie „Wuawua“). Das sind die kleinen Busse, mit denen man in die nächste Stadt kommt. Für die Verbindung zwischen größeren Städten gibt es auch noch große Reisebusse von CaribeTours, die annähernd so etwas wie europäischen Standard haben. So eine Guagua hat unterschiedlich viele Plätze zur Verfügung, was ich gezählt habe waren meistens zwischen 13 und 20 Plätze. Das bedeutet aber nicht, dass dort jeweils 13 bis 20 Personen einsteigen, sondern es steigt ein, wer mitfahren will. In Puerto Plata sind wir mit einem Bus mit 13 Plätzen mit 23 Personen gefahren. Fragt mich nicht, wie das funktioniert hat, aber irgendwo ist immer noch ein Plätzchen frei. Berührungsängste sollte man da besser keine haben.

• wunderschöne Strände natürlich – wobei ich die nur ungern als „typisch“ bezeichnen möchte. Typisch hört sich so an, als wäre es nichts mehr Besonderes. Ist aber (bisher noch) jedes Mal wieder unbeschreiblich schön und besonders den Tag am Strand zu verbringen. Ich hoffe nicht, dass es jemals so weit kommt, dass ich nicht mehr beeindruckt von der Natur bin und es als alltäglich und gewöhnlich ansehe.

• Zucker – finden viele Dominikaner so toll, dass in vielen Sachen (vor allem in Getränken) so viel Zucker drin ist, dass es für unseren Geschmack schon viel zu viel ist. Deswegen achte ich beim Einkaufen nach Möglichkeit darauf, die Varianten ohne Zucker zu kaufen.

• Regen – gab es vor allem im November im Überfluss und die Stadt stand mehrfach unter Wasser, alles war voller Matsch und es gab mehrere Erdrutsche, zum Glück soweit mir bekannt ist ohne schlimmere Folgen. Regen spielt hier in der Dominikanischen Republik eine besondere Rolle. Sobald es regnet steht ein Großteil des öffentlichen Lebens still, die Menschen verschwinden von den Straßen, kommen zu spät oder gar nicht zur Arbeit und die Kinder gehen nicht mehr in die Schule. Die Frage, warum das so ist, konnte mir noch nicht so richtig beantwortet werden. Die gängigste Theorie, die ich gehört habe, ist, dass die Menschen Angst davor haben, krank zu werden. Eine andere Theorie ist, dass sich dann die mühsam geglätteten Haare wieder kringeln. Wenn man dann aber doch mal bei Regen nach draußen muss, wird selten ein Regenschirm benutzt, sondern die Leute bevorzugen es oft, sich Müllsäcke als Regenschutz auf den Kopf zu setzen oder sie direkt als „Regenjacke“ anzuziehen.

• Jeden Tag eine neue Überraschung – Eigentlich passiert jeden Tag etwas Unerwartetes und nie funktioniert etwas so, wie es geplant gewesen ist. Vereinbart man Termine, kann der andere nicht teilnehmen, weil die Handwerker kommen müssen, weil wieder mal eine Wasserleitung geplatzt ist, dann ist ein Loch im 2000 Liter Tank auf dem Dach und er läuft leer, dann geht das Internet nicht, der Strom fällt aus, Wasser tropft aus der Decke, dann gibt es mal wieder kein Wasser und man muss Wasser mit dem Gartenschlauch vom Nachbar holen, damit man noch die Klospülung benutzen kann, einer der Küchenschränke schimmelt, jemand ist krank, es regnet, der Blitz hat eingeschlagen, deine Klamotten schimmeln, eine Riesenspinne krabbelt durchs Wohnzimmer, Erdrutsche haben die Straße beschädigt und man kann nicht Auto fahren, der Bus kommt nicht, die Waschmaschine ist kaputt, die Gasflasche ist leer, auf einmal man hat den Türgriff in der Hand, anstatt die Tür zu öffnen, und ist eingesperrt … Alles schon passiert, daran habe ich mich mittlerweile aber zum Glück gewöhnt. Ich habe eingesehen, dass ich es eh nicht ändern kann, am Ende muss man sich mit all dem einfach abfinden und so hinnehmen wie es ist. Und wenn dann diese Woche etwas nicht klappt muss es halt nächste Woche gemacht werden. So ist es halt dann einfach.

Tatsächlich gäbe es noch deutlich mehr Punkte, um die man diese Liste ergänzen könnte. Um einen ersten Einblick zu erhalten, ist das aber denke ich zunächst mal ausreichend.

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