Freiwilliges Soziales Jahr in Griechenland

Julia Rommel

Julia Rommel absolviert ihr Freiwilliges Soziales Jahr derzeit in Griechenland. Zum Ende ihres Auslandjahres haben wir sie gebeten, uns zu berichten, wie sie die griechische Kultur wahrnimmt und ob sie einen Kulturschock hatte:

Drei Monate sind geblieben und wir genießen gerade einfach den Anfang des griechischen Sommers. Die Tage werden länger und man selbst ist total hin- und hergerissen mit den Gedanken: Was kann ich noch erleben, wo muss ich unbedingt noch hin? Wie sieht der Abschied von allen aus? UND Wie geht es überhaupt endgültig für mich weiter? “Sigaaaa, sigaaa!”, würde der Grieche jetzt sagen, alles mit der Ruhe.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich keinen Kulturschock wahrgenommen habe. Und wenn doch, dann habe ich ihn wirklich nicht bemerkt und kann auch nicht sagen, wann er denn dann auch war. Ob es daran liegt, dass ich mir einfach gesagt habe, ich möchte das Jahr in vollen Zügen genießen, weil ich mich so darauf gefreut habe, oder ich doch vielleicht eine Griechin im Herzen bin...wer weiß? Leugnen kann ich nicht, dass bisher alles reibungslos verlaufen ist. Ich erinnere mich zum Beispiel an Weihnachten, an dem wir wieder einmal Stromausfall hatten und man eingehüllt in seiner Decke nur bei Kerzenlicht dasitzen musste, um auf den Elektriker zu warten oder an manche Arbeitstage, an denen man sich unverstanden gefühlt hat, weil wieder ein riesen Theater gemacht wurde, weil einem eben ein Fehler unterlaufen ist. Oder einfach Tage, an denen man grundlos schlecht gelaunt war, man diesen nur im Bett verbringen wollte. Diese Tage hatte ich auch in Deutschland, und in Griechenland habe ich gelernt besser damit umzugehen. Ich habe dann einfach getan, wonach mir gerade war. Ob es Sport gewesen ist, einfach spazieren gehen, für einen Kaffee rausgegangen bin oder einfach ein Nickerchen gemacht habe, vieles hat geholfen.

Nebenbei durfte ich in meinem Gastland viel über die Kultur erfahren, ob ich will oder nicht, denn es ist kein Wunder bei den Griechen, die die meiste Zeit draußen verbringen. Vor allem aber bekommt man viel von den religiösen Festen mit. An Weihnachten sowie an Ostern war ich in Thessaloniki. Wenn ich schon einmal ein Jahr im Ausland lebe, dann will ich auch die wichtigsten Feste miterleben. Und dass ich mich dafür entschieden habe, nicht zu meiner Familie nach Deutschland zu fliegen, bereue ich nicht. Zwar hab ich den Heiligen Abend zuerst "typisch deutsch" in der Gemeinde begonnen, ihn danach aber "typisch griechisch" miterlebt, und zwar waren wir abends mit Freunden feiern. So wie es eben üblich hier ist. Die Straßen sind belebt, aus allen Cafés dröhnt Musik. Ostern (DAS Fest für die Griechen) hingegen verlief dann schon etwas “religiöser”. Alle gehen in die Kirche, ob Jung oder Alt, Freitagabend gibt es die sogenannte Prozession und Samstagabend/Nacht einen Gottesdienst mit anschließendem Osterfeuerwerk. Am Ostersonntag und Ostermontag wird dann ausgiebig gefeiert, also es wird sehr viel gegessen!

Dies ist eines der Dinge, das ich sehr an ihnen schätze: Die Verbundenheit zur Kultur und dementsprechend auch unter den Menschen. Der Glaube gehört nun mal dazu, und auch wenn ich kein wirklich religiöser Mensch bin, erstaunt mich das immer wieder, wie wichtig ihnen diese Feiertage sind. Mir persönlich hat auch der Umgang der Menschen untereinander viel gegeben. Das was ich in Deutschland vermisst habe, haben mir die Leute hier gegeben. Auch als Deutsche wurde ich offen empfangen, denn wie viele meinen, dass die Griechen nicht gut auf Deutsche zu sprechen sind, stimmt in den meisten Fällen nicht.

Wir wissen alle, dass Griechenland in der Krise steckt. Bemerkbar ist es zwar nicht auf den ersten Blick, weil die Cafés gut besucht sind, aber dann fällt einem wiederum auf, dass die meisten von ihnen Jugendliche sind, die stundenlang an einem Getränk nippen, um für einige Zeit aus dem Elternhaus zu "flüchten". Eindeutig läuft einiges schief, doch die Einstellung, sich von nichts und niemandem unterkriegen lassen zu wollen (mein Empfinden), schätze ich.

Was mich jedoch hin und wieder brodeln lässt, ist das Unorganisierte. So wie man sich Südländer vorstellt, so verhalten sie sich manchmal auch. Ganz nach dem Motto „Hat auch noch morgen Zeit.” Aber in Deutschland ist mir wiederum alles ZU perfekt, von daher lache ich im Nachhinein über einige Dinge.

Was ich übrigens vermisse, ist das deutsche Frühstück. Irgendwas fehlt mir morgens dann doch immer und der gute griechische Kaffee stellt mich dann nur halb zufrieden. Es ist auch offensichtlich, dass wir in Deutschland mehr Luxus genießen, doch ich bin auch sehr zufrieden mit dem “Einfachen” und dem “Nichtperfektem” (Wahrscheinlich gibt es mehr Dinge, die mich durchaus nerven würden, wenn ich für einen längeren Zeitraum hier wäre).

 

 

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