Freiwilliges Soziales Jahr auf Malta

Judith Bütefür

Mit unserer Freiwilligen Judith Bütefür haben wir bei ihrem zweiten Zwischenbericht ein Interview geführt. Das Thema lautete "Kulturwahrnehmung" und wir wollten wissen, welche Erfahrungen sie in diesem Bereich auf Malta gemacht hat. Hier könnt ihr einige Auszüge lesen:

DRK: Hast du einen Kulturschock wahrgenommen? Wann hattest du ihn und wie sah er aus?

Spontan würde ich sagen „Nein“. Ich habe zu keiner Zeit einen richtigen Kulturschock wahrgenommen. Klar gibt es immer wieder Zeiten, in denen man nicht ganz so gute Laune hat, wie in anderen, aber ich denke das ist vollkommen normal und das hat jeder. In dieser Zeit hab ich dann viel Kontakt zu meinen engen Freunden nach Hause gesucht und auch zu meinen Eltern, das hat mir sehr geholfen. Wenn irgendwas auf der Arbeit mich unglücklich gemacht hat, konnte ich das auch immer sofort ansprechen und es wurde nach einer Lösung gesucht und auch immer eine gefunden. Außerdem hat jeder ja auch seine eigenen Geheimtipps, um schlechte Laune zu bekämpfen, ich zum Beispiel esse dann gerne und viel Schokolade oder gehe zum Sport. :-)

DRK: Was gefällt dir gut an deiner Gastkultur, was gefällt dir weniger?

Puh, das ist schwer zu sagen. Also am auffälligsten ist, denke ich, dass hier alles viel lockerer ist als in Deutschland. Auf der einen Seite kann das echt absolut entspannt sein und ich hab die Spontanität oft genossen, aber da ich ein Mensch bin, der klare Strukturen braucht und Zuverlässigkeit schätzt, hat das auch manchmal echt an meinen Nerven gezehrt, denn was Pünktlichkeit angeht, sieht das hier ganz anders aus und man ist ständig damit beschäftigt zu warten. Es hat aber auch tolle Seiten, wenn man zum Beispiel abends ganz spontan sich mit mehreren Freunden trifft, weil halt niemand so wirkliche Pläne macht, ist das auch schön und das sind meistens die besten Abende. Für mich war auch eine große Umstellung, dass hier alles über Facebook läuft und die Zusage bei einer Facebookveranstaltung auch die verbindliche Zusage für den Gastgeber ist. Am Anfang fand ich das recht komisch, da ich zu Hause nie viel auf Facebook unterwegs war, aber da gewöhnt man sich schnell dran. Ein weiterer Punkt ist auch das Verhältnis zum Sonntag. Da Malta fast ausschließlich katholisch ist, dachte ich, dass man hier (genau wie auch in Deutschland) am Sonntag keine offenen Läden oder sonstiges findet, aber das ist nicht der Fall. Eigentlich haben auch sonntags so gut wie alle Geschäfte und Läden geöffnet und man steht niemals ohne Essen da, denn auch die Essensplanung fällt doch eher spontan aus und man gewöhnt sich dran. Als Fazit kann ich sagen, dass ich meine Gastkultur mag und auch zu schätzen weiß, mich aber trotzdem auf die deutsche Kultur daheim freue.

DRK: Was vermisst du aus Deutschland?

Wie anfangs schon erwähnt vermisse ich hier manchmal die Zuverlässigkeit und auch Zielstrebigkeit, aber das sind Dinge, auf die man sich gut einstellen kann, da man auch weiß, dass sie irgendwann wiederkommen werden und man sich selbst zur Aufgabe machen kann, diese Dinge an sich selbst nicht zu verändern. Schwieriger hingegen ist es damit umzugehen, wenn man einen Menschen besonders vermisst oder die Nähe, denn es braucht seine Zeit im Gastland enge Freunde zu finden und ich kann für mich sagen, dass diese niemals die allerliebsten von zu Hause ersetzen können, da kann man noch so gut auch miteinander klarkommen, man kennt sich eben noch nicht lange. Das hört sich jetzt ganz schrecklich an, aber im Prinzip ist es das überhaupt nicht. Wenn ich eine Freundin oder jemanden aus meiner Familie vermisst hab, dann hab ich sie einfach angerufen, mit ihnen geskypet oder auch mal einen netten Brief geschrieben und sobald man merkt, dass noch alles beim Alten ist und man sich bald wiedersehen wird, ist alles nur noch halb so schlimm! Außerdem kann man auch immer mit den Leuten sprechen, die in der gleichen Situation sind, wie man selber, denn die können einem mit Sicherheit auch weiterhelfen, manchmal reicht auch schon eine dicke Umarmung und ein guter Film. :-)

DRK: Wie lebst du in deinem Gastland?

Ich lebe mit zwei anderen DRK-Freiwilligen in einer WG und wir arbeiten alle drei bei „Inspire“. Dadurch, dass wir alle zur gleichen Zeit hier angekommen sind, konnten wir uns von Anfang an gut organisieren und haben uns Aufgaben wie Putzen aufgeteilt. Unsere Wohnung ist nicht sehr groß, aber total gemütlich mit südländischem Charakter, ich habe sie echt zu lieben gelernt. Da wir meistens alle den Tag über unterwegs sind, sei es alle zusammen oder jeder für sich, haben wir uns das Abendessen als gemeinsame Mahlzeit ausgesucht, damit wir eben nicht aneinander vorbei leben, sondern gemeinsam. Für mich ist es ein wichtiger Bestandteil und ich mag es abends beim Essen darüber zu quatschen, was am Tag alles passiert ist und man kann auch mal sagen, was einen genervt hat oder auch einfach nur zusammen lachen, das tut gut! Für mich war es das erste Mal, dass ich nicht mit meinen Eltern zusammen wohne, deswegen habe ich es sehr genossen mich selbst zu organisieren und es macht sogar ein bisschen Spaß der Mama zu Hause zu erzählen, dass man es ganz alleine hinbekommt, seine Sachen zu waschen und auch nicht wartet bis das allerletzte T-Shirt dreckig ist. Ansonsten verbringe ich aber auch viel Zeit mit anderen Freiwilligen, denn ich mag es gerne unter Menschen zu sein. :-)

 

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