Ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Dominikanischen Republik

Jakob Velleurer

Nach einem Jahr Freiwilligendienst 2016/17 in der Dominikanischen Republik berichtet Jakob Velleurer in einem Abschlussbericht von seinen Erfahrungen.

 Als ich vor einem Jahr losgefahren bin konnte ich es kaum erwarten das Jahr zu beginnen und neue Dinge zu erleben. Ich war nicht aufgeregt oder eingeschüchtert, sondern ich wollte mich voll und ganz auf die neuen Erlebnisse einlassen. Hinzu kam, dass ich erst zwei Wochen später mein Auslandsjahr beginnen konnte und daher schon in den ersten Wochen mit reichlich Bildern und Eindrücken von meinen Kollegen/innen versorgt wurde.

 Ich hatte Erwartungen, die auch teilweise genauso eingetroffen sind, nämlich, dass ich in Situationen komme mit denen ich vorher nicht konfrontiert war, neue Kulturen, neue Menschen, eine neue Welt kennenlerne. Es kommt immer auf die Person an, ob sich jemand darauf vorbereitet oder viele Gedanken macht, jedoch habe ich diesen Schritt weggelassen, um einen authentischen und unvoreingenommenen Eindruck zu erlangen und um nicht die neuen Erkenntnisse distanziert aufzunehmen und aktiv Vorstellungen mit der Gegenwart zu vergleichen. Zu jeder Zeit hatte ich das Gefühl bei FreiWerk gut aufgehoben zu sein, auch wenn die Distanz sehr groß war. Auch in schwierigen Zeiten (Krankenhausaufenthalte) konnte man sich stets auf den Kontakt mit FreiWerk verlassen. Daher war auch das Zwischenseminar für alle von großer Bedeutung, um einerseits gewisse Umstände/Probleme/Erkenntnisse persönlich auszutauschen und andererseits die Kontaktperson mit unserem Leben, unserem Wohnen und unserem Arbeiten in den Projekten vertraut zu machen.

Jeder, der sich für ein FSJ entscheidet hat im Prinzip erstmal die gleiche Rolle. Denn es zählt in erster Linie sein Interesse und persönliches Engagement, Menschen zu helfen und sozial schwächeren Personen seine freiwillige Unterstützung anzubieten. Ich war in einer Schule tätig für Kinder mit größtenteils körperlichen und geistigen Behinderungen und denke, dass ich durch meine Unterstützung im Unterricht, die Lehrerinnen in ihrer Arbeit erleichtern konnte und Kindern Aufmerksamkeit geben konnte, die sie vielleicht sonst nicht bekommen hätten.

 In meinem Arbeitsbereich war ich teilweise überfordert, genau weil sehr oft meine Aufgaben nicht klar waren, was auf die eher spontane, und manchmal unorganisierte Arbeitsstruktur zurückzuführen war. Außerdem fehlte uns Freiwilligen in der Arbeit mit den Kindern die gewisse professionelle Erfahrung, um ein fortschrittliches, produktives Arbeiten zu ermöglichen. Zudem waren wir die Arbeit mit aktiven, energiereichen Kindern nicht gewohnt. Daher gestaltete sich der Unterricht nicht selten als anstrengend und körperlich ertüchtigend.

 In meinem Team, mit meinen Arbeitskollegen und in meiner WG habe ich mich stets wohl und aufgehoben gefühlt. Unsere Eigeninitiative war sehr gefragt und neue Ideen wurden auch gerne mit aufgenommen beispielsweise haben wir sowohl einen Englisch-Kurs als auch einen Computer-Kurs für die dort lebenden Menschen initiiert, welche auch gut bei den Menschen wahrgenommen wurden und man uns mit Freude und Dankbarkeit begegnete. Unter uns Freiwilligen kam es selten bis nie zu Konflikten, aber im Verlaufe der Zeit zeigte sich aufgrund mehrerer Vorfälle mit Einheimischen, dass dort doch zwei unterschiedliche Welten und Menschenarten aufeinanderprallten, da wir nie ganz das Bild des reichen, schönen, europäischen Touristen loswurden.

Den neuen Freiwilligen im Projekt rate ich, ohne Vorurteile in dieses Abenteuer zu starten und auch an anfänglichen Schwierigkeiten, Problemen oder Hürden nicht zu verzweifeln, denn dies gehört alles zum Auslandsjahr und allem was es mit sich bringt dazu. Die neuen Freiwilligen sollten ein gewisses Maß an Flexibilität aber auch Zurückhaltung mit sich bringen und zugleich Interesse haben mit Kindern zu arbeiten. Auch eine gewisse Offenheit gegenüber neuen Kulturen und neuen Menschen ist enorm wichtig. Wer auf der Suche ist nach neuen Eindrücken, seinen Horizont erweitern will, sich besser kennenlernen will und abenteuerlustig ist, dem kann ich das Projekt und das Land nur ans Herz legen.

Am Anfang war es schon eine gewaltige Umstellung kaltes Wasser zu haben, bedingt Strom nutzen zu können, selber Wäsche zu waschen etc., aber ich habe mich relativ schnell an die neuen Umstände gewöhnt und muss sagen, dass ich insgesamt sehr zufrieden mit meiner Wohnsituation, meinen Mitbewohnern und der landestypischen Ausstattung unserer Wohnung war.

 Kontakt mit Einheimischen war insofern gegeben, dass wir während unserer Arbeit in den Projekten mit Dominikanern zu tun hatten und auch einige in unserer Freizeit kennengelernt haben, jedoch haben wir größtenteils Unternehmungen mit anderen Freiwilligen gemacht.

Am Anfang habe ich mich ziemlich verloren gefühlt mit meinen vereinzelten Spanischkenntnissen. Vor allem, da das dominikanische Spanisch sich sehr von dem Spanisch, welches man in der Schule lernt, unterscheidet. Aber mit der Zeit hat man immer mehr verstanden, Wortlaute und Redensarten übernommen und gemerkt, dass auch eine nonverbale Kommunikation mit Händen und Füßen notwendig und hilfreich war. Da ich vorher noch keinen Eindruck von meinem Gastland hatte, kann ich nur über meinen jetzigen Eindruck berichten.

Wie schon zuvor angesprochen, macht nicht nur die Distanz die dominikanische Republik zu einer ganz neuen Welt, sondern auch ihre wunderschöne Natur und ihre insgesamt gastfreundlichen und lebensfrohen Menschen lassen das Bild eines Entwicklungslandes manches Mal vergessen. Für mich bestätigt sich im Endeffekt einmal mehr das Vorurteil der deutschen Bürokratie und Ordnung und ich wünschte so manch ein Deutscher hätte das gewisse Etwas an dominikanischer Spontanität, Offenheit, Gastfreundschaft, Leichtigkeit und Ruhe in sich.

Mein FSJ wird auf jeden Fall auch in Zukunft meine Lebensplanung und Einstellung beeinflussen, da ich so viele Erinnerung mitnehmen durfte, die ich nicht vergessen werde und die mich ständig begleiten werden. Das ganze Auslandsjahr mit all seinen Höhen und Tiefen war ein einschneidendes Erlebnis und prägendes Ereignis. Jeder Tag hat etwas Neues mit sich gebracht und ich würde alles noch einmal so machen.

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