Unsere Freiwilligen berichten über ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland

Sie haben ihre Koffer gepackt und engagieren sich in der Welt - unsere Freiwilligen machen ihr Freiwilliges Soziales Jahr derzeit unter anderem auf Malta, in Finnland oder in Spanien.

Wir haben regelmäßigen Kontakt zu allen Freiwilligen und wollen natürlich wissen, wie es ihnen in ihrem Gastland und der Einsatzstelle geht, welche Erfahrungen sie machen und ob sie Deutschland vermissen. Unter dieser Rubrik findet ihr verschiedene Erfahrungsberichte zu den Projekten und dem allgemeinen Leben im jeweiligen Land!

Erfahrungsberichte Malta

Inspire - Annika Bulke

Inspire - Annika Bulke

Annika Bulke blickt mit ihrem Bericht auf ein Jahr Freiwilligenarbeit  in 2016/17 beim Projekt Inspire auf Malta zurück.

1. Rückblick auf ein Jahr Freiwilligendienst

Generell ging ich meinen Freiwilligendienst soweit ohne große Erwartungen oder Vorstellungen an. Ich wollte mir nicht vorher schon zu viele Gedanken über meine Einsatzstelle, das Land und das Leben dort machen, da ich sonst womöglich enttäuscht oder voreingenommen gewesen wäre. Die Seminare haben mir zwar kein sehr deutliches Bild von Inspire geliefert -Inspire ist aber eben auch so verschieden, speziell und einzigartig, dass man es kaum erklären kann- aber trotzdem waren die Seminare super hilfreich, weil für mich dadurch alles reeller und greifbarer wurde. Obwohl ich meine Erwartungen klein gehalten habe, hatte ich natürlich trotzdem ein paar Vorstellungen von Malta, Inspire und meinem Leben dort. Wenn ich an Malta dachte, dachte ich an Sonne, südländische Gelassenheit und Meer. Und das wurde absolut erfüllt! Ich hatte das Glück ein Jahr am Meer leben zu dürfen und schon jetzt vermisse ich den täglichen Strandgang. Auch die Gelassenheit fehlt mir ein wenig, obwohl ich doch auch ganz schön froh über die Verlässlichkeit hier in Deutschland bin. Ich bin froh, dass ich mich von Allem überraschen lassen und mir vorher nicht zu viele Gedanken gemacht habe, denn dadurch konnte ich Alles viel neutraler und ohne Enttäuschungen erleben.

2. Rückblick auf ein Jahr Projektarbeit

Inspire war für mich die perfekte Wahl und ich bereue überhaupt nicht dort gearbeitet zu haben. Das Arbeitsklima war unglaublich gut, die Freiwilligen werden wirklich gut aufgenommen und alle Festangestellten sind sich der großen Hilfe der Freiwilligen bewusst. Ich hatte nie das Gefühl „nur“ eine Freiwillige, sondern einfach ein Teil von Inspire zu sein. Ich konnte bei Problemen oder Wünschen ohne Zögern zu meiner Chefin gehen und ich hatte immer das Gefühl dort geschätzt und wahrgenommen zu werden. Da Inspire so unglaublich abwechslungsreich ist, hatte ich nie das Gefühl über- oder unterfordert gewesen zu sein, da man sich in allen Bereichen viel einbringen konnte, sich aber auch zurücknehmen durfte, falls man in einer Situation vielleicht nicht ganz so gut klar kam.

Das mit Abstand beste an Inspire ist aber die große Gruppe an anderen Freiwilligen aus ganz Europa. Hat man sich einmal eingelebt und in die Gruppe integriert -was dank der unglaublich herzlichen Mitfreiwilligen wirklich schnell geht- hat man eine große Inspire-Familie um sich, die man so schnell nicht mehr vergisst! Ich habe in meinem Jahr die tollsten Menschen aus verschiedensten Kulturen kennenlernen dürfen und bin so dankbar dafür. Generell würde ich Inspire Jedem empfehlen, denn Inspire ist offen für alles und Jeden. Ich denke aber, dass es für sehr strukturierte und organisierte Menschen vielleicht ein wenig schwieriger werden könnte, da Malta eben die typisch südländische Mentalität lebt. Gelassenheit, Flexibilität, dadurch aber eben auch Unzuverlässigkeit und Ineffizienz. Das spiegelt sich alles auch in Inspire wieder. Ist man aber spontan und offen für alles, oder will gerade das lernen, dann ist man bei Inspire genau richtig, da man oft ins kalte Wasser geschmissen wird und flexibel und kreativ sein muss.

3. Freizeit | persönliche Situation

Marsaskala ist einfach wirklich schön. Es ist zwar eine eher kleine Stadt, dafür ist sie aber kaum von Touristen „befallen“ und ist dadurch viel entspannter und maltesischer. Dazu kommt dass man alle wichtigen Plätze in Marsaskala zu Fuß erreichen kann -Arbeit, Strand, kleiner Supermarkt- und da alle Anderen der Inspire-Familie auch in Marsaskala wohnen ist abends immer etwas los. Einzige Abstriche macht man bei der generellen Lage Marsaskalas. Da Marsaskala im Süden und alle anderen spannenden Städte, Strände und Sehenswürdigkeiten eher im Norden sind, muss man oftmals lange und relativ umständliche Busfahrten auf sich nehmen. Aber für mich war Marsaskala perfekt und mit den ganzen Freiwilligen waren auch die längsten Busfahrten gut. :)

Für mich waren vor allem die letzten 3 Monate unglaublich positiv und die Besten Monate auf Malta. Der Sommer hat die Inspire-Familie nochmal mehr zusammengeschweißt und wir saßen bis zum Ende wirklich jeden Abend zusammen und haben den einen oder anderen Sonnenaufgang auf dem Hotel erleben dürfen. Auch die unglaublich vielen Festivals im Sommer waren für den Gruppenzusammenhalt wichtig und am Ende waren wir wirklich alle sehr eng befreundet was mir den Abschied umso schwerer gemacht hat.

4. Leben in einem anderen Land

Da ich wie schon erwähnt, ohne große Vorstellungen nach Malta kam, hat sich mein Eindruck in dem Jahr nicht viel verändert. Malteser sind sehr offen und herzlich, wodurch sich eigentlich gleich von Anfang an die Mentalität des Landes zeigt und man ziemlich schnell weiß worauf man sich eingelassen hat. Malta hat mir aber auch klargemacht, wie gut wir es in Deutschland, in einem fortschrittlichen und infrastrukturell ausgebauten Land haben. Auf Malta funktioniert vieles nicht so wie es soll, dann manchmal gar nicht und bei Regen geht sowieso alles den Bach runter. Mir wurde einfach klar wie wichtig Struktur ist aber ich habe auch gemerkt, dass ein bisschen Chaos und Spontanität auch mal dazu gehört.

5. Und jetzt?

Für mich hilft mir meine FWD-Erfahrung in meiner Lebensplanung insofern, dass ich viel über mich selbst lernen konnte und mir jetzt einfach in vielen Dingen klarer bin. Ich weiß jetzt sicher was ich machen möchte und kann viele Situationen viel selbstbewusster und lockerer angehen. Ich fände es auch schön meine Erfahrung kommenden FWD-lern weitergeben zu können.

6. Kurzes Resumee deines Jahres

Für mich war Malta und Inspire die beste Entscheidung die ich treffen konnte. Ich kann jetzt sagen, dass ich keinen Tag bereue und ich finde, dass das ein unglaublich gutes Gefühl ist. Ich habe in keinster Weise das Gefühl Zeit verschwendet zu haben, da ich so viel mitnehmen durfte. Ich habe viel lernen können, über mich selbst, die Arbeit mit Behinderten und über andere Kulturen und das ein Jahr lang direkt am Meer! An dieser Stelle Danke an das DRK für die unglaubliche Möglichkeit diese Lebenserfahrung sammeln zu dürfen!

Inspire - Miriam Müller

Inspire - Miriam Müller

Mit unserer Freiwilligen Miriam Müller haben wir bei ihrem zweiten Zwischenbericht ein Interview geführt. Das Thema lautete "Kulturwahrnehmung" und wir wollten wissen, welche Erfahrungen sie in diesem Bereich auf Malta gemacht hat. Hier könnt ihr einige Auszüge lesen:

DRK: Miriam, du bis jetzt seit sechs Monaten im Ausland und absolvierst deinen Internationalen Jugendfreiwilligendienst in einem Therapiezentrum auf Malta. Wie geht es dir bei dem Gedanken, dass du die Hälfte schon geschafft hast?

Miriam: Mir geht es nach wie vor sehr gut. Die Formulierung "es geschafft zu haben" finde ich in diesem Kontext nicht gut gewählt. Es klingt für mich wie eine Hürde, etwas Negatives, das man durchstehen muss. Natürlich ist es eine Herausforderung, ein Jahr im Ausland zu verbringen. Ich bin jetzt sechs Monate hier, habe tolle Erfahrungen gesammelt, nette Leute kennengelernt, bin um einiges selbstständiger geworden und habe mich persönlich enorm weiterentwickelt. Daher sage ich lieber "Was? Schon ein halbes Jahr um?". Ich bin überrascht, wie schnell die Zeit vergeht und wie viele Momente ich hier schon erlebt habe, die ich nicht so schnell vergessen werde. Wenn ich daran denke, dass schon ein halbes Jahr um ist, werde ich etwas traurig, weil ich noch gar nicht an das Ende meines FSJ hier denken möchte.

DRK: Wenn Menschen für eine längere Zeit in ein anderes Land reisen, sprechen sie oft von einem Kulturschock. Hast du ebenfalls einen erlebt? Wie bist du damit umgegangen?

Miriam: Ich weiß nicht, ob ich da wirklich von einem Kulturschock sprechen kann. Das Wort "Schock" finde ich grundsätzlich sehr mächtig. Aber bei mir war es so, dass mir gewisse Situationen oder Gegebenheiten, die mir anfangs gefielen, nach einer Zeit auf die Nerven gegangen sind. Das fühlte sich aber schlimmer an, als es letztlich war. Beispielsweise die Art, wie die Menschen hier Auto fahren oder die Kirchenglocke, die jeden Tag um 7:30, 13:00 und 19:30 geläutet hat oder die maltesische Sprache, die sich in meinen Ohren recht aggressiv anhört. Ok, vielleicht gilt das alles doch als Kulturschock, aber den hatte ich mir wirklich schlimmer vorgestellt. Tatsächlich dreht sich die Welt hier aber genauso weiter wie zuhause, wenn man einfach mal einen schlechten Tag hat. Denn mehr ist es am Ende nicht: ein schlechter Tag, an dem man wegen den unterschiedlichsten Dingen mal genervt sein kann.

DRK: Wie bist du damit umgegangen?

Miriam: Ich war beispielsweise ein paar Stunden am Strand und habe mich in die Sonne gesetzt und Musik gehört. Wenn ich jetzt mal einen schlechten Tag habe, gehe ich manchmal auch zum Sport. Mich hat es hier zum Glück gut getroffen, denn es gibt viele andere Freiwillige in meiner Einsatzstelle, mit denen ich mich super austauschen kann. Außerdem ist es in einer Gruppe leichter, die Stimmung wieder aufzubessern.

DRK: Wenn du an Deutschland denkst, gibt es da etwas Bestimmtes, das du besonders vermisst? Möchtest du manchmal zurück?

Miriam:Ich denke es ist normal, dass man zwischendurch auch mal Heimweh hat. Ich hatte das erst vor Kurzem. Das war nicht schlimm, aber wenn man vom Bachleorabschluss der Schwester hört oder einfach Mamas Essen vermisst, mag man doch mal daheim sein. Trotzdem fühle ich mich hier wohl und werde das letzte halbe Jahr genießen.

DRK: Mamas Essen, das ist wohl sehr typisch. Vermisst du denn auch bezüglich der deutschen Kultur etwas oder im materiellen Bereich?

Miriam: Das klingt vielleicht lustig, aber tatsächlich vermisse ich meine Kleidung, da ich natürlich nicht alles mitnehmen konnte. Menschlich gesehen vermisse ich meine Freunde und natürlich meine Familie. Allerdings denke ich eher daran, sie alle lieber hierher nach Malta zu holen und sie hier zu sehen, anstatt nach Hause zu fahren. Ich fühle mich hier so wohl, dass ich am liebsten alles, was mir lieb ist, nach Malta holen mag, um meine Erfahrung mit den Menschen, die ich liebe, zu teilen.

(...)

Bright Sparks Childcare - Leah Vogel

Bright Sparks Childcare - Leah Vogel

Leah Vogel verbrachte ihr Freiwilliges Soziales Jahr 2016/17 auf Malta. Wir haben sie nach den ersten Monaten gebeten, uns etwas über ihre Einsatzstelle und ihr Leben auf der Insel zu berichten:

Seit dem 1. September 2016 arbeite ich nun schon im Bright Sparks Childcare Centre. Dies ist kein Kindergarten, wie ich anfangs dachte, sondern ein Childcare Centre, also eine Einrichtung für Kinder bevor sie in den Kindergarten kommen.

Hier auf Malta ist es nämlich so, dass der Kindergarten, wie man ihn auch aus Deutschland kennt, erst Kinder ab drei Jahre nimmt. Davor geben viele Eltern ihre Kinder in Childcare Einrichtungen zur Betreuung. Trotzdem ist die Einrichtung einem deutschen Kindergarten sehr ähnlich.

Das Bright Sparks Child Care Centre ist im Vergleich zu deutschen Einrichtungen relativ klein. Eltern können ihre Kinder ab dem Alter von drei Monaten anmelden und wenn die Kinder drei Jahre alt sind wechseln sie in einen Kindergarten. Momentan haben wir 20 Kinder: Das jüngste ist erst 6 Monate alt und das älteste Kind ist 2 ½ Jahre alt.

Es gibt zwar einen groben Tagesablauf, aber trotzdem ist jeder Tag total verschieden. Da wir Kinder in sehr unterschiedlichen Altersstufen haben wird das Programm sehr stark auf die einzelnen Kinder zurecht gelegt und ist immer an das große Monatsthema angelehnt.

Ein ganz normaler Arbeitstag für mich

Ein normaler Arbeitstag beginnt für mich um 8 Uhr morgens. Ein paar Kinder sind dann schon da, da die Einrichtung um 6 Uhr öffnet. Von acht bis neun kommen jedoch die meisten Kinder. In der Zeit bekommen die Babys noch Frühstück und die Größeren können auf dem Sofa sitzen und Fernsehen gucken oder frei spielen. In dieser Zeit gehört es zu meinen Aufgaben die Tür für die Kinder zu öffnen, ihr Essen aus den Taschen zu räumen und oft füttere ich morgens eins von den Babys. Eine der wichtigsten Aufgaben zu der Zeit ist es jedoch die neu angekommenen Kinder herzlich mit Umarmungen zu begrüßen. In der Einrichtung wird sehr darauf geachtet, dass die Kinder sich zuhause fühlen und so gehört dies zu unserem Morgenritual.

Das Morgenprogramm startet

Wenn dann um neun Uhr die meisten Kinder da sind fangen wir mit dem Morgenprogramm an. Für circa 45 Minuten hören wir Lieder, tanzen, singen oder machen „physical activities“, wie zum Beispiel Balancieren, Klettern und Rutschen oder spielen mit Hulla Hoops.. Ab 9.45 Uhr folgt dann der ruhigere Part. Es werden Lieder angemacht wie z.B. „The wheels on the bus“ oder „Incy wincy spider“, bei denen es um das Trainieren der Feinmotorik geht. Dabei sitzen die Kinder auf dem Sofa oder auf Stühlen um uns herum und wir machen mit ihnen zusammen die Bewegungen zu den verschiedenen Liedern.

Frühstückssnack

Während des ruhigeren Parts werden die Tische für den Frühstückssnack vorbereitet und gegen 10 Uhr gibt es dann Essen. In der Essenszeit versuche ich einfach da zu helfen, wo es gerade am meisten gebraucht wird, da es manchmal etwas chaotisch ist, wenn 20 Kinder gleichzeitig essen wollen. Aufräumen und nappy change Nach dem Essen, circa gegen 9.30 Uhr muss dann aufgeräumt, sauber gemacht und die Windel gewechselt werden. In der Zeit haben die Kinder die Möglichkeit in einem großen Raum mit vielen Spielzeugen frei zu spielen.

Basteln, malen oder spielen

Gegen 11 Uhr beginnt dann das eigentliche Programm. Jeden Tag gibt es mindestens eine Bastel- oder Malaktion, immer passend zu dem momentanen Thema. In der Zeit in der die eine Gruppe bastelt machen die anderen Gruppen anderes Programm, z.B. mit Knete spielen, Bücher lesen, Musik machen oder Puzzeln. Das Programm ist immer sehr vielfältig und abwechslungsreich. Bei gutem Wetter wird auch der kleine Outdoorbereich genutzt.

Kleiner Einblick in meine Aufgaben

Ich bin nicht einer bestimmten Gruppe zugewiesen, sondern helfe immer da wo ich gebraucht werde. Oft kann ich mir aussuchen bei welchen Aktionen ich helfe, ob ich lieber mit bastel oder mit den Kindern mit Blöcken oder Ähnlichem spiele.

Mittagessen

Um 13.00 Uhr werden ein paar Kinder abgeholt, die meisten bleiben jedoch bis 14 oder 15 Uhr. Die Kinder, die nicht gegen 13.00 Uhr abgeholt werden, bekommen dann Mittagessen.

Warten bis man abgeholt wird

Nach dem Mittagessen werden alle Kinder abholbereit gemacht, manche werden schlafen gelegt und dann wird aufgeräumt und geputzt, währenddessen gucken die Kinder Fernsehen oder spielen. Die Zeit nutze ich oft um mit den Kindern herum zu toben, Flugzeug zu spielen, Umarmungen zu verteilen oder einfach mit den Kindern mit Spielzeugen zu spielen. Um 15 Uhr endet meine Schicht und nur noch wenige Kinder sind dann da. Die Einrichtung hat jedoch noch bis 16.30 Uhr geöffnet.

Es ist echt schwer meinen Arbeitsalltag zu beschreiben. Es gibt zwar ungefähre Abläufe, aber da man mit kleinen Kindern zusammen arbeitet ändert sich das oft und man kann nicht immer das machen was man auch geplant hat. Man muss sehr flexibel sein und auf die Kinder eingehen, das Programm speziell auf die Stimmung in der Gruppe und die der einzelnen Kinder anpassen und auf die Kinder eingehen. Außerdem ist mein Aufgabenbereich echt groß. Ich helfe immer da wo ich kann und da die Tage so unterschiedlich sind, mache ich auch immer wieder neue Dinge. Vor allem assistiere ich aber meinen Kolleginnen und bespaße die Kinder und das macht mir sehr viel Spaß!

Meistens bin ich wenn ich nach Hause komme relativ müde und hungrig. Die Arbeit in der Einrichtung macht mir echt viel Spaß, aber sie ist auch sehr anstrengend und so genieße ich es mich nach der Arbeit zu entspannen. Unter der Woche chille ich viel bei uns in der Wohnung. Im Sommer war ich fast jeden Tag nach der Arbeit am Strand, aber dafür ist es jetzt leider zu kalt. Stattdessen koche ich und gucke dann Serien, bin an meinem PC oder lese ein Buch.

Freunde treffen

Ab und zu gehe ich mit den Mädels zusammen zu Treffen mit den Erasmusstudenten. Dort lernt man schnell nette Leute kennen. Am Wochenende unternehme ich immer viel den anderen Freiwilligen. Wir sind fast jedes Wochenende abends unterwegs und treffen uns mit unseren Freunden. Nachmittags an den Wochenenden, nach dem wir lange geschlafen haben, sind wir oft auf Ausflügen und erkunden die Insel. Es ist sehr cool, dass die Andern auch so viel Interesse daran haben die Insel weiter zu erkunden. Die Insel ist zu jeder Jahreszeit super schön und es gibt immer was Neues zu entdecken. Man mag zwar denken, dass Malta schnell langweilig wird, die Insel kommt einem trotzdem größer vor als man denkt.

Das Einleben

Die größte Herausforderung für mich war es, mich hier einzuleben und mich wirklich zuhause zu fühle. Es war nicht einfach plötzlich in einem anderen Land zu leben, mit fast fremden Leuten zusammen in einer neuen Umgebung. Anfangs hatte ich das Gefühl ich müsste auch direkt alles hinbekommen. Es war erst noch ungewohnt mit neuen Leuten so eng zusammen zu wohnen und wir haben alle etwas Zeit gebraucht um sich den anderen anzupassen und akzeptieren, dass einige Dinge nun mal so sind wie sie sind. In dieser Zeit haben wir alle sehr wertvolle Erfahrungen gemacht was das Zusammenleben angeht. Nach einiger Zeit hatte ich mich jedoch eingewöhnt, kannte unsere Umgebung, wusste wie man nach Hause kommt, welchen Bus man nimmt und seitdem habe ich mir hier erst richtig zuhause gefühlt. Ich habe festgestellt was für ein cooles Gefühl es manchmal ist sich in einem Land fremd zu fühlen und sich nicht auszukennen und genau so schön ist es sich nun umso heimischer zu fühlen und Malta als sein zu Hause anzusehen.

Mein Fazit zu den letzten drei ½ Monaten

Abschließend kann ich sagen, dass ich echt stolz darauf bin, was ich alles schon erreicht und erlebt habe. Für mich gehören die anderen Freiwilligen schon zur Familie und ich bin froh solche tollen Menschen kennen gelernt zu haben und ich fühle mich immer sehr wohl, wenn ich mit ihnen unterwegs bin. Außerdem finde ich es sehr schön, dass wir immer viel unternehmen, so wird einem nie langweilig und es ist immer was los. Es ist schön zu wissen, dass man nun hier angekommen ist und sich ein neues Leben aufgebaut hat. Ich freue mich sehr darüber, dass wir schon so viele nette Leute kennen gelernt haben und ich habe viele von ihnen schon ins Herz geschlossen. Wenn ich jetzt daran denke, dass wir all das Ende August für immer hinter uns lassen werde ich traurig. Und das zeigt mir wie sehr ich meine Zeit hier genieße und dass Malta wirklich mein neues zuhause geworden ist.

Erfahrungsberichte Finnland

Konsti - Lisa Wagner

Konsti - Lisa Wagner

Lisa Wagner ist über FreiWerk im finnischen Kindergarten in Kerava tätig und erzählt uns ein bisschen über ihre Arbeit dort:

Ich arbeite im Taidepäiväkoti Konsti das ist der rein finnische Kindergarten in Kerava, der besonderen Wert auf die kreative Erziehung mit Kunst und Musik legt. Ich wurde einer Gruppe mit 3-5 jährigem zugeteilt und verbringe dort den größten Teil meiner Zeit. Zusammen mit Paivi der Putzfrau halte ich das Haus in Schuss. Jeder ist für drei Gruppen verantwortlich, d.h. ich muss die Schlafräume, Toiletten, Eingänge, Essens- und Umkleideräume täglich putzen. Ich spiele mit den Kindern ziemliche viel, gehe aber auch auf Ausflüge mit, wie z.B. zum Schlittschuhlaufen.

Mein Arbeitstag beginnt um 8:00 und ich starte mit dem Wischen der Schlafräume und dem putzen der Toiletten. Um 11:00 beginnt das Mittagessen. Bevor es aber zum Essen rein geht, wird oft noch vorgelesen und es werden rhythmische Spiele veranstaltet. Nach dem Essen beginnt die zweite etwas stressigere Phase, denn ich muss die Essens- und Umkleideräume wischen. Danach habe ich erstmal Pause, die gestaltet sich immer unterschiedlich lang, je nach dem, wann ich mit Wischen fertig bin. Während der Pause bin ich mit den anderen Erziehern im Kaffeeraum. Dort gibt es immer Kaffee und Tee, aber auch manchmal Kuchen, Kekse oder andere Sachen zum schnabulieren. Danach gehe ich entweder zu den Kindern, um noch bis zum Snack um 13:45 mit ihnen zu spielen. Dort lässt sich auch sehr gut mit den Kindern basteln oder Brettspiele spielen. Ich helfe meistens bei der Essensausgabe mit. Ab jetzt beginnt der aufregendste und beste Teil meines Tages! Jetzt wird gespielt, bis es wieder rausgeht und das macht mir einen riesen Spaß. Die Kinder binden mich in ihre Spiele mit ein und es ist fast jeden Tag eine andere Gruppe, in der ich mitspiele. Es ist zwar nicht auf dem höchsten intellektuellen Niveau, bereitet mir jedoch eine große Freude. Auch das anschließende Anziehen der Kinder gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Dieser Tagesablauf ist nur das Grundgerüst, denn die Tagesabläufe unterscheiden sich von Tag zu Tag, denn es werden Ausflüge dazwischen geschoben, die Kinder haben Malstunde oder momentan gehen die 5-jährigen Dienstags Schlittschuhlaufen.

Da gibt es mehrere, denn ich fand es am Anfang besonders schwer mich in die Gruppe einzufügen. Es gab das große Problem der Sprachbarriere und meine eigene Unsicherheit. Einer der ersten schönen Momente war, dass ein kleiner Junge immer wieder zu mir gesagt hat, dass ich möglichst schnell Finnisch lernen muss und er mir dabei hilft. Das nächste war, dass ein kleines Mädchen keine Angst vor mir hatte und mich am Anfang ziemlich beansprucht hat, was ein tolles Gefühl war. Nach fünf Wochen kam dann ein zweites Mädchen wieder in den Kindergarten, die mich auch von Anfang an ins Herz geschlossen hat. Mit ihr war es noch extremer, als mit dem ersten Mädchen. Aber das allerschönste ist, wenn sich eins der Kinder in meinen Schneidersitz setzt um mit mir ein Buch anzuschauen oder einfach in meinem Schoß zu sitzen, wenn wir eine Morgenrunde haben oder auf das Essen warten. Auch als ich zwei Tage die ganz Kleinen besucht habe, war an sich auch wunderschön, denn die waren auch total offen und haben sich nach 5 Minuten des Kennenlernens auch in meine Arme und meinen Schoß geworfen. Naja, worauf ich zurückkommen will... während meiner Abwesenheit wurde in meiner Gruppe oft nach mir gefragt, denn die Kinder haben mich gesehen, aber ich war trotzdem nicht in der Gruppe. Das hat mir das erste Mal richtig vor Augen geführt, dass ich Teil der Gruppe bin, nicht mehr die Neue und das ich vermisst werde. Ja generell habe ich mit jedem Kind mindestens einen schönen Moment erlebt, aber es wäre zu viel, alles einzeln aufzuzählen. Denn die schönsten Momente sind eigentlich die kleinen, die mir jeden Tag den Tag versüßen.

Das offensichtliche ist natürlich die Sprache und das ist natürlich immer noch aktuell. Jedoch habe ich auch große Fortschritte gemacht, denn ich weiß jetzt fast immer, was die Kinder von mit wollen und kann mit grammatikalisch falschen Satz- und Wort Konstrukten um mich schmeißen. Mittlerweile wissen die Kinder auch, was ich von ihnen will, wenn ich unverständliches Zeug von mir gebe. Jetzt war ich mit den Kindern auf jeden Fall schon mal befreundet, aber dann kam der Part, an dem ich mich als Autoritätsperson durchsetzten muss und das ist auch immer noch eine harte Nuss, die ich zu knacken habe. Am Anfang war es auch ziemlich schwer sich in die Gruppe mit einzubringen, denn anfangs trat die finnische Ader bei vielen Erziehern hervor und sie haben kaum mit mir geredet und auch verstärkt durch die Sprachbarriere war es schwer zu den Kindern durchzudringen.

Ich möchte mit der Sprache weiter vorankommen, um den Kindern vielleicht auch irgendwann mal richtige Antworten geben zu können, aber auch um mal die Erwachsenen zu verstehen. Ich möchte noch autoritärer handeln können und im Ganzen noch etwas selbstbewusster werden. Aber ich möchte auch mehr neue Menschen kennenlernen, so viel reisen, wie es geht und es einfach genießen hier zu sein.

 Gibt es sonst noch etwas, was du uns sagen möchtest?

Mir gefällt es hier in Finnland außerordentlich gut und ich zähle die Entscheidung hier hinzugehen zu den besten Entscheidungen meines Lebens, denn so eine Chance ist einfach einzigartig und lässt sich nicht nachholen. Ich bin so froh, das alles hier erleben zu können und freue mich, dass erst ein ¼ des Jahres vorbei ist und ich noch ¾ vor mir habe.

Kiddy House - Carolin Grande

Kiddy House - Carolin Grande

Kulurschock- Nein Danke. Ein Poetry Slam

       Kulturschock- Nein Danke- was habe ich alles befürchtet,

       Erfahren das Fremde in der Ferne,

       Angst, nicht mehr ich sein, nicht mehr ich selbst sein,

       wenn ich dann nach einem Jahr wieder komme heim.

Wie die andere Kultur wohl werden wird, sich anfühlen, riechen, schmecken, leben wird. Finnland hoch im Norden, werde ich mich tatsächlich in die Gesellschaft einordnen? Was soll´s da schon geben außer schüchternen, die meiste Zeit schweigende Finnen, Birkenzweige und Sauna in jedem Mökki drinnen.

Diese finnische Stille, haben sich die Menschen denn wirklich nichts zu sagen? Es scheint die Finnen genießen es, nicht immer zu neue Wörter, neue Sätze, neue Themen in ihren Köpfen zu formen, das schwierige Balancieren auf dem Drahtseil des Small Talks zu performen. Nein, keine Ode an den Small Talk wird hier gehalten. Kein Austausch oberflächlicher Feinheiten. Auch an schlechten Tagen, mir geht es bestens sagen, obwohl gruselige Monster mich in meinen Träumen jagen. Lasst uns diesen Teil einfach überspringen. Niemandem unsere ehrlichen Befindlichkeiten aufzwingen. Das ist jetzt keineswegs merklich unehrlich, sondern einfach nur vereinfacht. Oder auch: die berühmt berüchtigte finnische Stille. Small Talk - Nein Danke. Im Volksmund wird gesagt, die größte Angst des Finnen besteht darin im Bus laut anzumerken, dass der Fahrer doch bitte anhalten und nicht an der erwünschten Haltestelle vorbeirauschen soll. Und bevor sich der Finne fühlt wie ein zur Schau gestellter Geisteskranker, fährt er lieber still schweigend weiter.

Natürlich bin ich mir durchaus bewusst, dass das hier nur Anhäufungen auf nur einen Bruchteil der Bevölkerung anwendbare Stereotypen sind. Aber sie gibt es. Sie leben unter uns ganz unentdeckt, gar versteckt. Manchmal frage ich mich wie sich die Finnen denn fortpflanzen, wobei sie sich doch in ihren eigenen Köpfen verschanzen zu scheinen.

 Kein Wunder bei dieser kryptischen Sprache, mag ein Außenstehender des finnisch nicht mächtigen denken. Wer um Himmels Willen lernt freiwillig finnisch? Das haben wir uns nach kurzer Zeit selbst gefragt. Auch die Finnen, mit bedauernden Blicken geplagt, konnten unserer Euphorie nichts abgewinnen. Eine Sprache mit 15 Fällen, die keine Präpositionen, mehr Vokale als Konsonanten im Wort und mehr Ausnahmen als Regeln kennt. Eine Sprache, die kein Futur kennt und in der kein Wort für „bitte“ existiert, die hat schon lange kein Linguist reformiert. Kein Wunder, dass sie da sogar als Vorlage für elbisch funktioniert.

Minä en tule oppimaan Suomea – Ich werde nie finnisch lernen.

Zumindest nicht zu 100 Prozent, nicht einmal zu 70. Okay vielleicht nicht mal ein zu einem Zehntelprozent.

Aber jetzt mal ehrlich, es wäre auch entbehrlich. Im undurchblickbaren Dschungel aus y’s und Vokalharmonien bewegen wir uns wie getarnte Muggel. Versuchen uns immerzu soweit wie möglich mit unseren paar Brocken finnisch durch zu mogeln, doch ertappt werden wir und zu knapp die Zeit mal eben nach dem passenden Wort zu googlen. Wirklich unlogisch diese Sprache auf den ersten und auch auf den zweiten Blick. Jede Stunde Sprachunterricht lässt erblassen mein Gesicht. Doch wenn am nächsten Tag die Kinder mit mir reden, als würde ich alles verstehen, dann kann ich mit der Frustration recht gut umgehen. Und nichts ist lustiger als Emmis plötzliche Lachanfälle, wenn ich mal wieder auf die Schnelle ein bisschen Finnisch verbal erbreche.

Bestätigt hat sich dann die Theorie, dass Finnen einen anderen Weg gefunden haben müssen, miteinander zu teilen ihre Euphorie. Man nehme: eine Sauna, die Menge an Alkohol, die bei einem Durchschnitts Deutschen für ein halbes Jahr reicht, schwitzende, splitterfasernackte Menschen und schon hat der Finne einen kulturell hoch geschätzten Abend. Und zwar werden in Finnland seit dem ersten März 2017 alle Ehen von jedem anderen Ufer ohne Amtsvergehen als legal angesehen und trotzdem werden mehr als die Hälfte der Ehen wieder geschieden.

Das Gesprächsthema der steigenden Selbstmordrate um Weihnachten wird immerzu gemieden. Und erst wenn die dunklen Gedanken der düsteren Tage Anstalten machen zu verfliegen ist der Finne wieder als glücklicher Mensch zu betrachten. Bewegt sich unter dem auftauenden Himmel, pflegt soziale Interaktion im menschendurchflutenden Gewimmel der Städte.

Der bewusste Verzicht auf die primitivste Form der Kommunikation führt zu meinem Leidwesen zu einer Isolation. Freunde finden kommt mittlerweile einer Mission Impossible gleich. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, treffen wir vielleicht mal jemanden beim Supermarkteinkauf. Ach ja, das haben wir ja schon. Leider etwas größengemindert, sehbehindert und so circa 70 Jahre alt. War ein wirklich nettes Gespräch und so gar nicht finnisch.

Wenn wir dann doch keine Leute in unserem Alter finden, dann müssen wir keineswegs Zeit schinden, bis das Jahr zu Ende ist. Denn es gibt ja noch uns vier. Ein Haufen zusammengewürfelter Charaktere, die sich, Butter bei die Fische- im echten Leben nie gefunden hätten, wie wir uns jetzt aber voller Stolz als kleine Finnland Fam zusammen ketten. Diese abartigen Kindergartenstorys miteinander teilen, wir zusammen an Urlaubsplänen feilen, uns gegenseitig bei Krankheit heilen auch wenn nur mit wirklich schlechten Witzen. Ich kann sie ja wirklich ganz gut leiden meine Kumpanen, auch wenn wir ahnen, dass unsre gemeinsame Zeit irgendwann ein Ende finden wird. Diesen Gedanken verdrängen wir lieber.

Es folgt ein kulinarischer Ausflug in die Eiswüste der garantiert weckt die Gelüste. Morgens früh um 8 wird Kaffee gemacht. Das flüssig braune Lebenselixier, der Muntermacher, der Grinseverursacher, macht jeden finnischen müden Morgenmuffel zum Arbeitstier. Ein zwei Tassen am Tag, trinkt jeder Deutsche, wenn er es mag. Drei vier Tassen – pff für die normalen Arbeiterklassen. Fünf Sechs .. dann eher Becher, machen keinen zum Gesetzesbrecher. Eher zum Genussmensch, eher zum waschechten Finnen. Mh was gibt es sonst noch zu berichten, ich wertschätze die finnische mit Kardamom gefüllte Zimtschnecke, nach der ich mir die Finger lecke.

Minä olen - ich bin.

Zwischen Heimatlosigkeit und Neu Heimat Findung. Befinde ich mich auf Heimatsuche, bewege mich aus der Komfort Zone hinaus. Das alte Gewohnte verlassen, dabei die Bilder an der Wand gegen neue Wände eintauschen. Hab dann ausgemacht was zu mir gehört und was für immer bleiben wird. Finally Zuhause meinen und damit die kleine Wohnung und Kerava und Finnland im Allgemeinen damit assoziieren.

Der Duden sagt: Heimweh, Substantiv, Neutrum. Definition: große Sehnsucht nach der fernen Heimat oder einem dort wohnenden geliebten Menschen, bei dem man sich geborgen fühlte. Doch muss ich ehrlich sagen, so richtig zerwühlt hab ich mich nie gefühlt. Im Zeitalter des ständigen Online-Seins, wenn sogar Oma und Opa kommen zurecht mit dem Facebook-Einmaleins, würde ich mir lieber keine Sorgen darum machen wollen, wann ich das nächste Mal sagen soll, ich bin nicht verschollen, immer noch nicht, mir geht es gut, das Wetter ist schön! Oder auch nicht, schließlich reden wir hier von Finnland.

Manchmal- ach was- meistens gibt es nichts Weltbewegendes zu berichten. Und dabei ist unser Leben hier nicht mal langweilig- mitnichten. Zufriedenheit- gar innere Ruhe ist eingekehrt und das liebe Lieschen hat mich dazu bekehrt.

Soweit zu gehen, jetzt hier noch richtig deepen stuff von mir zu geben, würde ich nicht. Ich bin kein anderer Mensch geworden, habe nicht „zu mir gefunden“ und wurde auch nicht erleuchtet, zumindest noch nicht, denn dieses Gerede wäre zweifelsfrei geheuchelt.

Wir geh‘n ein Stück weg, kommen zurück und wir erkennen das perfekte Glück. Und dabei ist es nicht das perfekteste sondern es ist einfach gut so wie es ist.

Spielhaus - Julian Willming

Spielhaus - Julian Willming

Julian Willming absolviert sein Freiwilliges Soziales Jahr derzeit in Finnland. Wir haben ihn gebeten, uns einen Erfahrungsbericht anzufertigen und zu berichten, wie er die finnische Kultur und seinen Alltag bisher erlebt hat:

"Ich möchte nach meinem ersten Erfahrungsbericht über meinen Auslandsfreiwilligendienst in einem finnischen Kindergarten mit dem Deutschen Roten Kreuz nun ein weiteres Mal von Erlebnissen hier berichten. Diesmal widme ich mich der Kultur und den Sitten und Bräuchen des Gastlandes.

Als „junges Küken“, das zum ersten Mal in seinem Leben sein Zuhause und sein Heimatdorf verlassen hat, kam ich ziemlich selbstbewusst in dieses Land. Ich dachte, die ganze Welt stehe mir offen. Doch nach sieben Monaten Auslandsaufenthalt muss ich meine damalige Aussage etwas zurücknehmen. Es war naiv von mir zu glauben, jeder und alles würde sich um mich drehen. Ich habe mich zügig an Gepflogenheiten und Manieren des Gastlandes gewöhnt, was ein Meilenstein war, der für mich persönlich als Julian wichtiger und schwerer war als anfangs gedacht. In diesem Sinne ist ein Teil meines Handels wahrscheinlich für mein Leben lang finnisch geprägt. Ein gewisser Grad an innerer Ruhe, welcher ein typisches Merkmal der Finnen ist, ist in mir gewachsen und begleitet mich nun ständig.


Die Gefahr für jemanden, der für ein Jahr ins Ausland geht, könnte sein, dass er sich nicht genug anpasst. Man kann es auch so beschreiben: Man denkt anfangs vielleicht, man sei Fehl am Platz. In diesem Zusammenhang spricht man von einem Kulturschock, der auf die erste Begeisterung folgt. Allerdings glaube ich, dass man erst nach einiger Zeit Abstand von der Kultur, nach Ende des Auslandsfreiwilligendienstes, richtig unterscheiden kann, ob man nur einen schlechten Tag hatte oder wirklich mit der Kultur des Gastlandes zusammengestoßen und einen Kulturschock erlebt hat. Ich persönlich empfinde das hier in Finnland nicht, denn der Unterschied zwischen Finnland und Deutschland ist nicht allzu groß:

Ich kann auf alle deutschen Produkte in unserem naheliegenden Lidl zurückgreifen, um bei möglichem Heimweh ein bisschen deutsches Gefühl in den finnischen Alltag zu bringen. Weitere Charakterzüge der Finnen, die ich in Deutschland auch vorfinden würde, sind zuverlässige Arbeit, Bildung, das Aussehen und auch modisch sehe ich die Finnen und Deutschen auf ähnlichem Niveau. In meiner Einsatzstelle kommt jeder pünktlich und erledigt seine Aufgaben. Beschwerden über Chef, Eltern oder Arbeitskollegen höre ich selten. Ich gehe davon aus, dass dies nicht verschwiegen wird, sondern an der Arbeitsmoral der Finnen liegt.

Außerdem sind die Finnen bekannt für ihre gute Bildung. Ich sehe das Bildungsprogramm der Früherziehung und die Intelligenz der Menschen zwar nicht in einer anderen Liga im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Deutschland, aber die Art und Weise, wie Kinder gefördert werden, gefällt mir. Man kann sich von Friseur bis Busfahrer gut auf Englisch unterhalten und die Ärzte reden sogar teils gutes Deutsch mit mir.

Erwähnenswert ist aber, dass die Finnen ihre „Smartness“ verstecken wollen. Viele Einheimische haben mir anfangs gesagt, dass sie kein gutes Englisch sprechen würden, was sich später als Irrtum herausstellte. Die Schüchternheit scheint zentrales Merkmal der finnischen Bevölkerung zu sein.

Diese innere Ruhe und die Schüchternheit sind mir von Anfang an stark aufgefallen. Bei Gesprächen ist eine Gesprächspause Gang und Gebe und an einem schweigenden Tisch fühlt sich kein Finne unwohl. Für eine ziemlich ungeduldige Person wie mich war das anfangs ziemlich fremd. Mittlerweile weiß ich aber, dass das Schweigen einer Person kein Urteil gegen dich persönlich ist.

Worauf man sich in Finnland allerdings einstellen sollte, ist der Mangel an Sonne. In meinen ersten sieben Monaten darf ich stolze vier davon als Winter bezeichnen. Die Zeit von November bis Februar (eigentlich auch Oktober und März)  ist der finnische talvi. Der Winter ist geprägt von Schnee, Glätte und Dunkelheit. Zwar war die Weihnachtszeit bei meterhohem Schnee sehr schön für mich, die Finnen dagegen sind davon recht genervt. Es fing schon im Oktober mit dem ersten Schnee und immer kälteren Tagen an und kam Ende Dezember zum Höhepunkt, als die Sonne tatsächlich um 10 Uhr auf- und um 15:10 unterging. Dabei ist hinzuzufügen, dass es sich nicht um reine Sonnenstunden handelte, sondern nur um Helligkeit. Sonnenstunden gab es im Dezember trotzdem reichlich - exakt 4! Da hilft manchmal nur die Ironie, mit Hilfe derer es mir möglich war, meinen Freunden und Arbeitskollegen ein kleines Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Auch die Natur gehört zur finnischen Kultur. So ist es im Sommer üblich, dass sich finnische Familien auf ihr eigenes Mökki zurückziehen und es einfach genießen, eine Woche ohne Handyempfang zu sein. Auch viele Nationalparks laden zum Hiken, Zelten und Angeln ein. Hier zeigt sich Finnland von seiner schönsten Seite. Als Angler bin ich dabei umso enthusiastischer, wenn es in die Natur geht. Typische Ausflüge weg von der Stadt haben wir bereits ein paar Mal gemacht. Bisher hat mich das finnische Natur-Feeling begeistert und weil der Sommer noch vor der Tür steht, bin ich noch auf einiges gefasst.

Trotz zahlreicher toller Erfahrungen hatte ich aber auch teilweise mit der Schüchternheit der Finnen zu kämpfen. Ich habe mich viel damit auseinandergesetzt und bin dann zu dem Entschluss gekommen, dass ich mich eher meiner Umgebung anpassen muss, als dass ich Menschen verändern oder überzeugen sollte. Dieser Schritt hat mir sowohl in der Selbstfindung als auch im Verstehen der Kultur besser geholfen. Demnach ist der Umgang mit der Schüchternheit ganz klar eine Charakterfrage. Ohne meine Auseinandersetzung damit, hätte ich wahrscheinlich viele Zweifel an mir selbst gehabt und wäre möglicherweise in eine tiefe depressive Stimmung verfallen, die die Sehnsucht zum Heimatland ausgelöst hätte.

Das ist dann auch der nächste Punkt: Deutschland. Durch Kontakt mit Familie und Freunde bin ich nie ganz abgeschottet, aber ziemlich eingeschränkt in der Pflege der sozialen Beziehungen. Mit Constantin und Julian befinden sich zwei Deutsche direkt in meiner Umgebung, doch manchmal denke ich auch über die Heimat nach. Dabei vermisse ich tiefere Beziehungen und Gespräche, die hier nur mit wenigen Personen möglich sind. Die Finnen sind kein Volk der Emotionen, sodass aufschlussreiche Gespräche nicht stattfinden. Diese Direktheit vermisse ich an Deutschland.

Alles in allem existieren bei näherem Hinsehen ein paar Dinge, die man an Deutschland vermisst. Um diesen Abschnitt nicht negativ abzuschließen, sollte ich erwähnen, dass die „Nachteile“ aber durch etliche Vorteile kompensiert werden. Zudem entwickeln Julian und ich in der Wohnung konsequent neue Ideen für die Gestaltung dieser einmaligen Chance. Übrigens sehe ich im Nachhinein meine zwischenzeitliche Reise nach Deutschland als eine richtige Entscheidung an. Zum einen habe ich gemerkt, dass sich in der Heimat bis auf die jährlichen Geschehnisse nicht viel abspielt und ich nicht viel verpasse und zum anderen war es einfach Erfüllung und ein bisschen Genugtuung, Freunden und Familie von komplett neuen Erfahrungen zu berichten und von Erlebnissen zu erzählen, die andere nicht im Ansatz erleben dürfen.

Spielhaus - Luca Heinrichs

Spielhaus - Luca Heinrichs

Luca Heinrichs absolvierte ein Jahr in Finnland und hat für uns sein Jahr Revue passieren lassen und uns seine Erfahrungen mitgeteilt.

Einleitend möchte ich an meine Erwartungen und Gedanken zurück denken, mich daran erinnern wie Ich vorbereitet wurde und welchen Stellenwert FreiWerk in meinem Auslandsjahr hatte.

 Vor Beginn meiner Reise hatte Ich große Vorfreude und konnte es kaum erwarten, ins Ausland zu reisen und dort für ein Jahr zu leben. Durch die Vorbereitungsseminare wurde diese Vorfreude noch weiter bestärkt, durch das Kennenlernen meiner Mit-Freiwilligen im finnischen Ausland. Bei den Vorbereitungsseminaren wurde Ich aber auch auf mögliche Probleme, oder schwierige Phasen in meinem Auslandsjahr vorbereitet. Ich konnte mir jedoch noch gar nicht vorstellen, wie es sein würde tatsächlich weg zu sein und in der anderen Kultur zu leben. Kulturschock? Hast du niemals, dachte ich mir, da Ich schon öfter im Ausland war und mich jedes Mal wohl gefühlt habe, mehr noch, Ich hatte Fernweh, wenn Ich wieder zuhause war.

 Als es Dann endlich soweit war und mein Jahr endlich anfing, war wie Erwartet erstmal die Motivation riesen groß, und durch eine wunderbare Einsatzstelle mit netten Mitarbeitern, darüber hinaus einer gut funktionierenden WG, blieb mein Wohlbefinden groß. Auch mit der finnischen Kultur konnte Ich mit gut anfreunden, Ich merkte die Unterschiede zur deutschen Kultur lange nicht, und würde auch heute noch sagen, dass die finnische Kultur sich nicht sehr von der Deutschen unterscheidet. Mit der etwas zurückhaltenderen Art der Finnen kam Ich gut zurecht, außerdem wurde in meiner Arbeitsstelle, der deutsch-finnischen KiTa, deutsch gesprochen und ich hatte bis auf drei Finninnen nur deutsche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Das FreiWerk hat in meinem Jahr in so Fern eine sehr große Rolle gespielt, als das alles so perfekt vorbereitet war, dass ich keine Schwierigkeiten hatte mich Ausland zu Recht zu finden. Die Arbeitsstelle war gut, mein Mitbewohner war gut, ebenso die anderen FreiWerk Freiwilligen im Ausland. Das Zwischenseminar war demnach eine wunderbare Woche, da man auf den Vorbereitungsseminaren bereits neue Freunde gefunden hatte und diese wiedersehen konnte. Darüber hinaus konnte Ich so eine Woche dem doch sehr kalten finnischen Winter entfliehen.

Insgesamt lässt sich sagen, dass ich mich das ganze Jahr über wohl gefühlt habe und nun, da ich wieder zuhause bin das Ausland vermisse und das einfache finnische Leben. Klar ist es schön seine Freunde wieder zu sehen, aber es ist auch Schade, dass man den meisten nie zeigen kann, wo man eigentlich das ganze Jahr gewesen ist und was man erlebt hat.

 Um einen besseren Einblick in mein Projekt zu schaffen werde Ich kurz die Rolle des Freiwilligen im Projekt aufführen und meine persönliche Ansichten auf das Team und die Einsatzstelle darlegen.

 Das Spielhaus ist eine deutsch- finnische KiTa mit drei Gruppen, den Zwergen(1-3 Jahre), den Riesen(3-6Jahre) und der Vorschule (6-7Jahre). Dabei sind in der Riesengruppe die meisten Kinder, dort war Ich der Freiwillige. Als Freiwilliger bei den Riesen sind die Tätigkeiten: Kinderbetreuung, Bastelarbeit mit und ohne Kinder, Vorbereitung von eigenem Programm (nur auf eigenen Wunsch) und das regelmäßige Putzen des Badezimmers, des Esszimmers und zweimal im Jahr des Spielzeugs. Ich persönlich kam mit all diesen Tätigkeiten gut zurecht, da es zum einen nicht zu wenig Zeit mit den Kindern war, das heißt die Zeit mit den Kindern war für mich immer am schönsten und davon gab es reichlich. Und zum anderen waren die Arbeitskollegen immer sehr dankbar über alle Tätigkeiten die man ihnen abnehmen konnte, damit sie Ausflüge, Geburtstag etc. planen konnten.

In der Riesengruppe war Ich mit drei Erziehrinnen die mich von Anfang an im Team integriert haben und als volles Mitglied der Gruppe gesehen haben. Auch persönlich habe Ich mit Ihnen sehr gut verstanden. Im Spielhaus gibt es noch 5 weitere Erzieher, davon sind drei in der Zwergengruppe, einer in der Vorschule und die letzte ist die Leiterin des Spielhauses.

 Alles in allem habe Ich mich in der Einsatzstelle immer wohl gefühlt und hatte den Eindruck geschätzt zu werden und ein festes Mitglied im Team zu sein. Auch durch eine gute Verständigung mit allen Mitarbeitern hat mir meine Arbeit sehr viel Spaß gemacht und Ich bin gerne jeden Morgen zur Arbeit gegangen und sich zu verabschieden war dementsprechend schwer. Ich würde die Einsatzstelle jedem empfehlen der nach einem FSJ sucht und gerne mit Kindern arbeitet!

 Als nächstes werde Ich die Lebenssituation vor Ort darstellen und wie sich mein Leben in Finnland außerhalb der Arbeitszeit gestaltet hat.

 Der Kindergarten befindet sich im Zentrum der Stadt Kerava, die sich mit dem Zug 30 Minuten entfernt von Helsinki befindet. Mit dem anderen Freiwilligen habe Ich sehr viel Zeit meiner Freizeit verbracht, so haben wir zum Beispiel einen Wanderausflug gemacht oder waren zusammen Schlittschuh fahren oder Fußball spielen. An den Wochenenden waren wir abends häufig in Kerava oder Helsinki unterwegs. Darüber hinaus habe Ich in Finnland zwei sehr große Festivals besucht mit fantastischer Musik.

Insgesamt stehen einem in Finnland viele Freizeitmöglichkeiten zur Verfügung, nur im Winter ist es schwer sich dazu zu motivieren etwas zu unternehmen.

 Im Rückblick auf das ganze Jahr kann ich nur an positive Erfahrungen denken, besonders die Arbeit mit den Kindern hat mich für mein weiteres Leben geprägt. Denn durch die positive Erfahrung habe ich mich für ein Studium auf Grundschullehramt entschieden.

Erfahrungsberichte Norwegen

Lundheim - Paula Lohmann

Lundheim - Paula Lohmann

Paula Lohmann verbringt ihren Freiwilligendienst 2016/17 in Moi in Norwegen in der Lundheim Folkehogskole. Wir haben sie gebeten, uns einen Erfahrungsbericht über ihre ersten Monate zu schreiben.

,,Han en god dag!“

Dieser Satz bedeutet so viel wie ,,Habt einen guten Tag“ und beendet die morgendliche Versammlung aller Schüler und Lehrer. Gleichzeitig beginnt dann auch mein Arbeitstag in der Lundheim Folkehogskole in Moi, Norwegen.

Ich lebe zusammen mit elf anderen Stipendiaten, wie wir hier genannt werden, auf dem Schulgelände in einem Haus, das Gammlebygge (altes Haus) genannt wird. Momentan leben hier sieben norwegische Jungs und vier deutsche Mädchen als Freiwillige mit mir in der WG. Ich kann mich auf die anderen ,,Stips“ verlassen. Die anderen Freiwilligen sind gute Freunde geworden die mir bei allen möglichen Herausforderung zur Seite stehen und deren Unterstützung ich sehr wert schätze.

Über die Schule kann man sagen, dass sie Schülern mit und ohne Körperlicher Behinderung über ein Jahr lang durch die von den Schülern selber gewählten ,,Linien“ eine Möglichkeit zur Weiterbildung bietet Die Schüler leben alle gemeinsam in der Schule. Es gibt verschiedene ,,Linien“, die von den Schülern gewählt werden können. Diese sind Kochen, Musik, Film und TV, E-Sport, Sport, Media, Theater und Cosplay, Kreativ Data und global Perspektive. Für die Schüler mit einer Behinderung gibt es dazu noch die ,,Linie“ Allround.

Meine Arbeit lässt sich in zwei Aufgabenfelder unterteilen. Zum Einen unterstütze ich die Lehrer in den Linien oder unterrichte sogar manchmal selber, dabei wurde ich am Anfang des Jahres unter Berücksichtigung meiner Interessen und Fähigkeiten in zwei ,,Linien“ eingeteilt.

Diese sind bei mir Sport und Kochen. In Sport werden verschiedene Sportarten thematisiert wie zum Beispiel Kanu fahren, Schießen oder Basketball. Besonders gefällt mir dabei, dass man in dieser ,,Linie“ viel unterwegs ist und auch viel von der wunderschönen Natur Norwegens sehen kann. In Gla´mat, wie die Koch -,,Linie“ genannt wird, werden verschiedene Rezepte zusammen gekocht und im Anschluss gemeinsam gegessen. Hier lerne ich viel dazu und kann norwegische Rezepte zusammen mit den Schülern kochen. Ebenfalls ist es in den ,,Linien“ meine Aufgabe die Schüler mit einer Behinderung zu betreuen.

Das zweite Aufgabenfeld nennen wir hier ,,Internatsarbeit“. Es gibt verschiedene Schichten die man in der Woche hat. Dazu bekommt man einen Schichtplan, normalerweise dauert eine Schicht sieben Stunden. Es gibt Optak (Frühschicht), in der man von sieben bis 11:45 Uhr arbeitet, dabei ist es meine Aufgabe Schülern beim Anziehen, waschen und beim Essen zu assistieren. Die Senvakt Schicht (Spätschicht) geht von 15.00 bis 22.00 Uhr. In dieser Schicht bekommen wir einen Pieper. Dieser zeigt an, in welchem Raum gerade ein Schüler Hilfe benötigt. Dementsprechend helfen wir dann dort, wo Hilfe gerade benötigt wird. Dazu gehört unter anderem Duschen, Zähneputzen oder Essen anreichen.

Mein Alltag besteht aus dem ,,Linien“-Unterricht, welcher um 8:00 Uhr beginnt und um 14:00 Uhr endet. Zusätzlich kann ich dann, je nach Tag und Woche, auch noch eine Internatsschicht haben. Nachmittags werden verschiedene Freizeitaktivitäten angeboten, wie z.B. Gitarre spielen oder Volleyball. Die Möglichkeiten am Wochenende sind eingeschränkt, da man selber auf dem Schulgelände wohnt und der Ort, in dem sich die Schule befindet, sehr klein ist. Man hat jedoch die Möglichkeit nach Flekkefjord zu fahren, einer kleinen Stadt in der Nähe von Moi, in der man gemütlich einen Kaffee trinken oder eine Pizza essen gehen kann.

Langweilig wird mir jedoch nie, da im Internat immer etwas los ist und man sich mit der Zeit auch mit den Schülern anfreundet. Auf Zusammenhalt und ein Gemeinschaftsgefühl wird in der Lundheim Folkehogskole besonders Wert gelegt. Zu beobachten, mit welcher Selbstverständlichkeit die Schüler sich untereinander helfen und wie die Rücksicht auf Menschen mit einer Behinderung zur Selbstverständlichkeit wird, hat auf mich einen starken Eindruck gemacht. Dies zu sehen war für mich einer der schönsten Erfahrungen der letzten Monate.

Eine Herausforderung für mich stellte anfangs die Pflege der Schüler dar, bei der man ins ,,kalte Wasser“ geschmissen wurde und z.B. zum ersten Mal eine Person beim Duschen assistieren sollte. Jedoch stellt dies für mich keinerlei Problem mehr dar; nach kurzer Zeit wurde ich viel sicherer und eigenständiger.

Für die kommenden Monate möchte ich mehr eigene Projekte für die Schüler anbieten und planen und weiterhin so eine gute Zeit haben wie bisher.

Lundheim - Lina Weinmeister

Lundheim - Lina Weinmeister

Lina Weinmeister absolviert derzeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr in Norwegen und hat sich für einen Erfahrungsbericht etwas ganz Besonderes einfallen lassen:

Der Lundheim Fettnäpfchen Führer

Norwegen, das Land der Wikinger und Trolle, der kleinen Örtchen und Kommunen, mit seinen Fjorden und Bergen, das ist doch mal was ganz anderes als die Großstädte in Deutschland aus denen wir kommen. Selbst die Hauptstadt Oslo mit 640.313 Einwohnern (2014) hat gerade mal mehr Einwohner als meine Heimatstadt Essen mit 573.784 Einwohner (2014). Da ist es doch nur verständlich, dass es den einen oder anderen Unterschied in der Lebensführung gibt. Beginnend mit den Einkauf, hin zum Kinobesuch, der Nachbarschaft etc…

Nun habe ich die letzten neun Monate nicht nur an irgendeinem kleinen Ort im Norden verbracht. Nein, es ist eine der so genannten Folkehöyskolen. An solchen Schulen leben Schüler in einem Alter von ca.18 bis 25 Jahren für ein Jahr (max.2 Jahre) zusammen und vertiefen ihre Interessen in Fächern wie Sport, Theater, Kochen, Musik, Fußball oder aber E-Sport. Noten gibt es keine, dafür aber jede Menge Spaß, neue Erfahrungen und Bekanntschaften. Und das Gute daran, diese Schulen sind integrativ und bieten wirklich jedem die Möglichkeit sich auszuleben und auszuprobieren.

Im Folgenden werden einige Merkwürdigkeiten, schräge norwegische Ticks und Fun Facts aus diesem Jahr aufgezählt, um es den folgenden deutschen Generationen von Assistenten leichter zu machen, sich in dem schrägen Wirrwarr aus norwegischer Kultur und Jugendkult zurecht zu finden.

1. Fangen wir mal hiermit an. Die Lehrer sind sich für nichts zu schade und machen jeden Unsinn mit. Dies ist mir schon ziemlich früh aufgefallen. Jeden Samstagabend gibt es ein von den Klassen vorbereitetes Abendprogramm. Am aller ersten Samstag wurde dies von den Lehrern übernommen. Und da ergab sich, dass plötzlich ein homophiler Pirat im rosa Tutu und nackten Kugelbauch über die Bühne hüpft. Das war der Lehrer für E-Sport und Media und Rosenborgs Fan Nr.1.

2. Es ist nie zu warm, um eine Mütze zu tragen und nie zu kalt, um Barfuß zu gehen. Ja, auch dies ist so eine Eigenart, die ich in diesem Jahr täglich beobachten konnte. Was sich zuerst ausschließlich auf den männlichen Teil der Schüler bezog, machte zum Schluss auch keinen Halt mehr vor den Damen. Ja sogar ich ertappte mich dabei, wie ich wieder eine engere Beziehung zu meinen nackten Füßen aufgebaut habe.

3. Fleischkonsum, Wasserverbrauch und Energiesparen. Alle, die bisher immer gedacht haben, dass die skandinavischen Ländern im allem so fortschrittlich sind, müssen jetzt gut die Ohren spitzen. Spaghetti mit Tomatensoße und wo ist da das Fleisch? Nein, ohne Fleisch geht hier kein Gericht. Sogar auf die Pizza wird grundsätzlich Fleisch gepackt. Vegetarier sucht man hier vergeblich. Den Wasserhahn schließen, weil ich doch lieber erst das Lied wechsle, bevor ich beginne mir das Gesicht zu waschen? Nein, warum sollte man das auch tun, dann wird das Wasser ja wieder kalt. Und das Licht ausmachen, wenn man den Raum für einen geplant längeren Zeitraum verlässt oder gar sich schlafen legt? Völlig übertrieben diese Handlungen, wer kommt denn auf so welche Ideen. Jaja, da merkt man mal die Unterschiede im deutschen und norwegischen Bewusstsein und Denken.

4. Alle zukünftigen männlichen Assistenten müssen jetzt stark sein, denn es könnte so sein, dass du der achte Junge auf ein Mädchen bist. Passend zu dem Zweitnamen der Schule Paradise Hotel (Norwegische Reality-TV Show über...ja worum geht es da eigentlich genau? … Singles, Flirten, Drama und Co).

5. Knäckebrot oder Holland Toast. Für den Vollkornbrot verwöhnten Deutschen scheint die Brotauswahl sehr mickrig daher zukommen. Doch die Norweger lieben ihr Brot, gerne mit dem bräunlich süßen Käse Brunost, Makrell i Tomat oder Leberwurst mit Mayonnaise.

6. Mutproben wie Eisbaden bei -13°C Außentemperatur gehören hier zum Freizeitprogramm. Dass die Lehrer hier etwas anders drauf sind, haben wir ja schon in Punkt eins festgestellt, und somit ist das Freizeitprogramm auch der etwas anderen Art. Ja, auch wir Assistenten haben uns von den Ideen der Lehrer anstecken lassen und haben uns als Charity Aktion von den Schülern mit Farbbomben abwerfen lassen unter dem Slogan “Bombardiert die Trollkjerringe!”.

7. “Ha en fin dag. Yes!” mit immer denselben Worten endet die morgendliche Versammlung, die Morgensamling. Ein morgendliches Muss und nichts für Morgenmuffels. Mit Dingen zum Nachdenken, Tips und allen möglichen Zeug wird der Morgen gemeinsam begonnen. Liedern wie 1-2-75-6-7 sorgen dann noch für die Grundlagen für einen Ohrwurm geplagten Tag und dann das alles entscheidende “Ha en fin dag” vom Schulleiter, auf das die nun völlig motivierten Schülern mit einer einstudierten Armbewegung und einem lauten “Yes!” antworten müssen.

8. Auch die Schüler sind alle sehr besonders, da gibt es die Rollstuhlfahrer, bei denen du mehr Kontrolle über das Fahrzeug hast als der Lizenzinhaber selbst. Den völlig unbegabten Country-Sänger, der zugleich noch Fußballhooligan ist. Den Panflöte spielenden Inkadude aus Kolumbien. Leute die stets eine Scheibe Brot mit Butter und Gurken und dazu ein Glas Milch zum Frühstück, Lunch und Abendbrot essen. Und nicht zu vergessen der plötzlich auftretende Trend sich die Haare in den wildesten Farben zu färben, gerne auch kunterbunt.

9. Und zum guten Schluss nimmt euch im acht vor den Trollen. Ja, ihr habt richtig gehört. Da waren einmal drei Trolle, die trieben ihren Spaß mit den Bewohnern in Lundheim. Da war ein großer alter Troll, der liebte es, Leute zu erschrecken und war fürchterlich laut, weil er auch nicht mehr so gut hören konnte. Ein ganz kleiner Troll, der kämpfte stark gegen die Vereinnahmung, dass kleine Trolle putzig und süß sind, und deshalb war er manchmal ein wenig ruppig und wild. Und ein schrecklich starker Troll, der doch im Inneren eine kleine Schissbukse war und es ruhig und harmonisch liebte. Doch alle drei waren herzensgut und wurden von den Schülern geliebt und geschätzt.

Das war es von mir. Macht eure eigenen Erfahrungen und vielleicht erkennt ihr den ein oder andern Punkt bei eurem Aufenthalt an der Schule wieder und müsst an diesen Fettnäpfchen Führer zurück denken und schmunzeln.

Auf jeden Fall wünsche ich euch viel Spaß.

Trollkjerring

Erfahrungsberichte Griechenland

Evangelische Gemeinde - Leon Hegemann

Evangelische Gemeinde - Leon Hegemann

Leon Hegemann hat ein Jahr bei der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Thessaloniki verbracht. In seinem Abschlussbericht teilt er uns seine Erfahrungen, Erlebnisse und veränderte Wahrnehmungen mit.

1. Rückblick auf ein Jahr Freiwilligendienst

Bevor ich nach Griechenland gegangen bin um meinen Dienst anzutreten hatte ich vor allem eines: Vorfreude. Ich habe mir die Stadt auf Google angeschaut und auch die Internetseite der Gemeinde durchforstet. Meine Erwartungen haben sich zu Beginn eigentlich größtenteils erfüllt, unter anderem, dass Thessaloniki eine Metropole ist die nur so vor Leben sprüht.

Die Vorbereitung durch FreiWerk fand ich sehr schön und umfangreich, sowohl inhaltlich als auch das Miteinander auf den Seminaren haben einem das Gefühl gegeben Teil von etwas zu sein. Manche Themen wie z.B Interkulturelle Kommunikation waren vielleicht im Vorfeld etwas abstrakt. Haben sich dann aber in der Praxis während des Dienstes ausgezahlt, auch wenn einem das in dem Moment eventuell nicht bewusst war.

Die Begleitung durch FreiWerk war auch während des Dienstes sehr gut. Das Zwischenseminar war auch aufgrund dessen, dass man die ganzen Mitfreiwilligen treffen konnte ein voller Erfolg und ein wichtiger Erfahrungsaustausch in der Halbzeit des Projektes. Mehr noch konnte man sich selbst und seinen bisherigen Dienst, aber auch das wohnen und leben, nochmal mit etwas Distanz begutachten und daraus wichtige Schlüsse ziehen.

2. Rückblick auf ein Jahr Projektarbeit

Als Freiwilliger in der Gemeinde habe ich mich von Anfang an als Teil der Gemeinde gesehen. Ich wurde sehr herzlich von allen Mitarbeitern und Mitgliedern aufgenommen. Mit den Arbeitsbedingungen war ich sehr zufrieden. Die Stimmung auf der Arbeit ist meistens locker und es herrscht ein angenehmes Arbeitsklima.

Die Aufgaben in der Evangelischen Gemeinde sind sehr vielseitig, oftmals gibt es klare Aufgaben meistens muss man die Arbeit und die Bereiche in die man sich einbringen kann aber selbst entdecken. Überfordert habe ich mich zu keinem Zeitpunkt gefühlt, da mir alles genau erklärt wurde und man auf Grund der Atmosphäre in der Gemeinde auch keine Angst haben muss Nachfragen zu stellen. Tendenziell habe ich mich am Anfang in manchen Bereichen vor allem mental unterfordert gefühlt, was aber bei der Ausführung von simplen Tätigkeiten ganz normal ist und für mich auch absolut kein Problem war. Im Laufe des Dienstes habe ich mir dann aber das Vertrauen der Verantwortlichen erarbeitet und wurde auch mit wichtigeren Aufgaben betraut. Für mich persönlich aber noch viel bedeutsamer war, dass auch meine Meinung auch bei relevanten Themen von Belang war.

Meinen Nachfolgern lege ich ans Herz, unvoreingenommen an die Menschen in und um die Gemeinde heranzutreten und vor allem ehrliches Interesse an haben. Man sollte die Zeit, die man in der Gemeinde verbringt vielleicht nicht immer als reine Arbeitszeit sehen, sondern es geht um das Miteinander. Als Freiwilliger sollte man sich mit der Arbeit der Gemeinde identifizieren und die Gemeinde repräsentieren können. Insbesondere aber sollte man sich auch für einfache Tätigkeiten wie Putzen oder den Transport von Dingen nicht zu schade sein, da diese auch ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit sind. Ein FWD in der Gemeinde würde ich uneingeschränkt weiterempfehlen.

3.Unterkunft/Freizeit/ persönliche Situation

Unsere Wohnung die uns das DRK zur Verfügung gestellt hat fand ich wirklich in Ordnung und dem Rahmen des FWD angemessen. Die zentrale Lage und der kurze Arbeitsweg sind sehr praktisch. Natürlich gibt es immer bessere, aber die Wohnung ist trotzdem schnell zu einem Zuhause geworden. Aber das große Ziel war es ja eh relativ wenig Zeit in der Wohnung zu verbringen und lieber in Kontakt mit der griechischen Außenwelt zu treten.

Persönlich hatte ich am Anfang Schwierigkeiten dauerhafte Kontakte zu knüpfen, oftmals beschränkten sich die Kontakte auf einen Abend in der Bar oder im Café. Auch wenn die Kontaktdaten ausgetauscht wurden schliefen diese relativ schnell wieder ein. Im Frühjahr lernte ich dann auch endlich meine Freunde kennen woraus auch bis zum Ende des Dienstes (und darüber hinaus) eine sehr enge Freundschaft wurde. Die griechische Sprache zu lernen hat mir immer Spaß gemacht auch wenn ich, insbesondere am Anfang der einzig motivierte war und die anderen Freiwilligen mich etwas runter gezogen haben.

Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht viel intensiver die Landessprache gelernt zu haben, besonders deutlich wurde mir das in meinem Griechischem Freundeskreis, wo ich doch oftmals mehr von den Gesprächen hätten verstehen wollen, obwohl sie mir zu liebe sehr viel Englisch gesprochen haben, darüber hinaus haben sie auch viel zur Verbesserung meiner Griechisch Kenntnisse beigetragen.

Negative Ereignisse gab es in dem Jahr bis auf ein größeres eigentlich nicht. Natürlich gab es immer mal wieder kleinere Tiefs aber die hielten fast nie länger als einen Tag. Positive Ereignisse gab es dagegen reichlich, angefangen auf der Arbeit wie die Durchführung Besonderer Veranstaltung wie z.B den Weihnachtsbasar oder unser Betriebsausflug oder den Besuch von Orten und Menschen die man so wahrscheinlich nie besucht hätte. Privat hatte ich auch viele sehr schöne Erlebnisse an die ich mich gerne zurückerinnern werde.

4.Leben in einem anderen Land

Mein persönlicher Eindruck von Griechenland hat sich insofern entwickelt, dass sich der Eindruck erst einmal wirklich gebildet und verfestigt hat. Bevor der Absolvierung meines Freiwilligendienstes war ich noch nie in Griechenland, ich hatte also nur eine vage beziehungsweise von Klischees durchzogene Vorstellung des Landes. Trotzdem hat sich mein Eindruck in dem Jahr soweit gewandelt, dass ich vieles was ich am Anfang möglicherweise neu oder sogar befremdlich fand liebgewonnen habe oder darüber hinaus mein persönliches Verhalten der „griechischen Art“ angepasst habe.

Ansonsten konnte ich in dem Jahr tiefe Einblicke in die griechische Kultur und den Alltag gewinnen. Mein Blick auf Deutschland hat sich auch etwas verändert, ich persönlich nehme manche Sachen nicht mehr so als Selbstverständlichkeit. Generell bin ich der Meinung, dass eine zweite Perspektive auf Deutschland meine Einstellung zu einigen Sachen verändert hat. Und ich bin froh, diese Perspektive durch mein Auslandsaufenthalt bekommen zu haben.

5. Herausforderungen/ offene Fragen/ Lernerfahrungen

Eine der Herausforderungen die ich an mich gestellt habe ist das Jahr und den Freiwilligendienst für mich zu bewahren und vor allem den Kontakt nach Griechenland nicht abreißen zu lassen, deshalb versuche ich so schnell wie möglich einen Besuch zu organisieren.

6.Und jetzt?

Nach jetzigem Stand hat der FWD einen sehr großen Einfluss auf meine Lebensplanung, ich habe den Plan verfestigt auf jeden Fall noch einmal für einen längeren Zeitraum nach Thessaloniki zu gehen, weiterhin werde ich versuchen mein Griechisch zu verbessern und vor allem hatte der Freiwilligendienst Einfluss auf meine Studienwahl und, dass ich mein Studium der Politikwissenschaft auf die internationale europäische Politik ausrichten möchte.

7. Resümee

Den Freiwilligendienst über das DRK bei der Gemeinde zu verrichten war die prägendste Erfahrung in meinem bisherigen Leben. Ich habe so viele Menschen kennengelernt, die mittlerweile einen immensen Stellenwert in meinem Leben haben. Die Erfahrungen die ich gemacht habe, werden auch in Zukunft großen Einfluss haben.

Nature School - Sophie Riepenau

Nature School - Sophie Riepenau

In der Nähe von Thessaloniki verbringt Sophie Riepenau ihr Freiwilliges Soziales Jahr 2016/17 in der Natureschool in Epanomi. Nach vier Monaten hat sie für uns ihre Erfahrungen in ihrer Einsatzstelle und ihre Gedanken aufgeschrieben.

<< παμε εξω με τη κυρια σοφια >> (ihr geht raus mit Frau Sofia)

Das ist wohl einer der häufigsten und besten Sätze welchen ich nahezu täglich bei meiner Einsatzstelle zu hören bekomme. Ich darf raus, mit den Kindern, mit einem Fußball und einfach nur spielen.

το σχολειο της φυσης, die Natureschool in Epanomi, nähe Thessaloniki, ist ein ganz toller Kindergarten, welcher durch viele verschiedene Aktivitäten, versucht, den Kindern ihre eigene Persönlichkeit näherzubringen, bzw sie zu entfalten.

Und ich liebe diese Kinder. Sie sind mir schon in den ersten Wochen ans Herz gewachsen und jetzt weiß ich nicht wie ich die Weihnachtsferien ohne meine Kinder meistern soll. Sie sind wundervoll und genießen meiner Meinung eine tolle Erziehung und Ausbildung in der School of Nature.

Mein Arbeitstag beginnt gegen 10 Uhr. Ich gehe in meine Gruppe bestehend aus ca 20 Kindern im Alter von 4-6 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt beenden die Kinder meistens das Frühstück und bis zum gemeinsamen Mittagessen, um 13 Uhr, füllen wir diese Stunden jeden Tag unterschiedlich. An manchen Tagen verbringen wir den ganzen Tag draußen nur am Spielen oder mit Schnitzeljagden, mit Wanderungen, im Wald oder verschiedenen Sport Parcours. Nach draußen geht es zu jeder Jahreszeit und auch beim strömenden Regen und eisiger Kälte. Hauptsache raus! Aber auch drinnen haben wir viel zu tun. Da nun viele in ihrem letzten Jahr in der School of Nature sind, stehen natürlich ein paar Grundlegende Lernstoffe an. So üben wir am Alphabet und auch die Zahlen. Welche wir auch regelmäßig auf Deutsch lernen!

Ich bereite das Essen vor für die älteren Kinder (4 Gruppen). Das heißt ich fange ab 12 Uhr an das Essen warm zu machen und den Gruppen zu bringen. Ich habe aber nicht nur während des Essens viel mit den 4 Gruppen zu tun. Da wir alle im Untergeschoss sind, bin ich eine Hilfe in jeder dieser Gruppen - mal mehr und mal weniger. Das bedeutet für mich immer Abwechslung, verschiedene Kinder und verschiedene Erziehungsformen.

Nach dem Essen steht denn der eher spaßige Teil des Tages an, denn dann werden die Klassen geputzt und das Esstalent ist noch nicht bei allen komplett ausgeprägt. Jedoch lernen meine Kinder das selbstständige putzen. So bleibt zwar nicht alles an mir hängen, dauert jedoch gefühlte Stunden länger, sodass, bis die Kinder ab 14:30 nach und nach zum Schulbus aufbrechen, nur noch Zeit für ein paar Spiele, Geschichten, oder natürlich etwas Zeit draußen beim Spielen verbleibt.

Um kurz vor Drei steige ich mit in den Schulbus und bin dann dafür verantwortlich die Eltern rechtzeitig anzurufen und die Kinder zu „übergeben“. Mir macht die Arbeit Spaß. Es ist in vieler Hinsicht sehr spannend, vor allem wenn man schon mal mit Kindern gearbeitet hat und dies nun in einer komplett anderen Kultur und Sprache zu erleben.

Die Menschen, die dort arbeiten, sind, natürlich typisch griechisch, nicht gerade verschlossen und werfen dich sofort in dein Arbeitsumfeld. Dort wurde ich auch sehr nett aufgenommen. Ich bin eine Freiwillige. Ich bin eine Arbeitskraft, die sich dazu entschieden hat, dort unter die Arme zu greifen und zu versuchen den Mitarbeitern etwas Last abzunehmen, mich selbstständig zu integrieren und mich einzubringen. Darauf zu warten, dass dich jemand zum Kaffee und Kuchen einlädt um mit dir zu plaudern nützt nichts. Das wird nicht passieren. Und auch wenn das natürlich klar ist, muss man sich das zwischendurch immer wieder bewusst machen und immer wieder realisieren, dass wir hier sind zum Arbeiten. Hauptsächlich zum Arbeiten.

Man darf nicht erwarten, dass man als deutsche DRK-Freiwillige auch nur irgendwie bemuttert wird, oder das vielleicht jemand dich mit Ideen Reichtum beschenkt wie du dich besser einbringen könntest oder sonstiges. Das sind unsere Aufgaben. Es ist unsere Aufgaben uns einzubringen, Ideen vorzuschlagen, sie umzusetzen. Das wird einem nie jemand abnehmen. Auch wenn sich das vielleicht negativ anhört, im Gegenteil.

Es ist eine Herausforderung und die Freude, die du bei deinen Mitarbeitern siehst, wenn sie merken, dass du ein Teil sein möchtest, dass du dabei sein möchtest und dich wirklich für die ganze Einrichtung interessierst, das war bis jetzt eine der wichtigsten und schönsten Erfahrungen für mich.

Die Arbeit macht mir Spaß, aber sie ist auch sehr anstrengend. Nicht unbedingt körperlich (auch wenn Kinder eine enorme Ausdauer haben ) mehr psychisch. Den ganzen Tag ist es laut, nicht eine Minute hat man für sich und in einer Tour eine Sprache die man nicht versteht, die einem keiner übersetzt. Das ist unglaublich anstrengend für den Kopf. Jedoch fast noch anstrengender ist es nach Hause zu kommen, der Alltag außerhalb der Arbeit.

Zu realisieren, dass man auch in einem sehr offenen Land nicht sofort Freundschaften schließt, dass man nicht immer mit jedem auf einer Wellenlänge ist, und selbst wenn, dass es nie an die Vertrautheit heranreicht, welche dich mit deiner Familie und deinen besten Freunden verbindet und wie wichtig so eine Beziehung ist, um sich zuhause zu fühlen.

Ich versuche nur herauszufinden, was ich liebe, was ich mag, was mir gefällt. Kleinigkeiten. Die ich bis jetzt noch nicht realisiert oder zu schätzen gewusst habe. Denn es sind genau die Dinge die einen das meiste Glück schenken, oder? Die kleinen Dinge im Leben. Und ich liebe Kaffee. Und Tee. Und ich liebe es meine Küche schön eingerichtet zu haben.

Während meines Auslandsjahres fehlen mir nun die großen Dinge. Meine geliebte Familie, meine liebsten Freunde und meine vertraute Umgebung. Genau deshalb mache ich mich nun auf die Suche nach Dingen, die mich genauso erfüllen nur anders. Die mich glücklich machen.

Nach vier Monaten kann ich eindeutig sagen, dass so ziemlich alles, was ich mir vorgestellt habe, anders verläuft. Dass alles um einiges schwieriger ist als ich dachte. Das sich mein Freiheitsdrang in ein großes Heimweh entwickelt und das diese Entscheidung die einzig richtige ist, denn aus jedem Tag nehme ich etwas mit, aus jeder Kleinigkeit versuche ich Kraft zu schöpfen und jeder Tag, jedes Gefühl lehrt mich etwas neues, und dafür bin ich unglaublich dankbar.

Erfahrungsberichte Dominikanische Republik

NGO - Kristina Unsleber

NGO - Kristina Unsleber

Kristina Unsleber ist 2016/17 für FreiWerk im Bereich NGO Management in Samaná in der Dominikanischen Republik. Sie hat für uns nach vier Monaten eine Liste zusammengestellt, was für sie typisch dominikanisch ist.

ZWISCHENBERICHT AUS DER DOMINIKANISCHEN REPUBLIK

SEPTEMBER BIS DEZEMBER 2016

Vier Monate sind nun bereits seit unserer Ausreise in die Dominikanische Republik Anfang September vergangen. Die vier Monate waren voll von tollen, verrückten und außergewöhnlichen Erlebnissen, neuen Freundschaften sowie erfreulichen und unerfreulichen Überraschungen. Mit meinem ersten Erfahrungsbericht möchte ich einen Einblick in meinen Alltag hier in der Dominikanischen Republik geben. An was denke ich heute zuerst, wenn ich an mein Leben hier in Samana denke?  

WAS IST FÜR MICH TYPISCH DOMINIKANISCH?

• Chlor – ist hier Allzweckwaffe. Wir benutzen das eigentlich nahezu für alles, beim Putzen, zum Waschen (zumindest Handtücher und Putzlappen), zum Desinfizieren, zum Schimmel beseitigen, zum Flecken entfernen und gering dosiert nutzen es einige sogar auch zum Eier, Gemüse und Obst desinfizieren; egal was, Chlor hilft! Leider sind mittlerweile auch schon ein paar Sachen vom Chlor ruiniert (bei viel Schimmel ist nicht immer viel Chlor die beste Lösung :D), aber immerhin konnten so alle Bakterien beseitigt werden.

• Motoconchos – das sind die lauten, stinkenden Motorradtaxis, die hier zu Samana gehören, wie die Palmen und das Meer. Überall an jeder Ecke warten die Motoconchofahrer darauf, Touristen, Einheimische und alles, was es sonst noch so gibt, für wenige Pesos zu transportieren. Auf so ein Motorrad passen dann unter Umständen dann auch mal fünf erwachsene Menschen, eine Ziege, zwei große Gasflaschen oder auch eine Waschmaschine.

• Hühner – laufen hier ganz viele auf der Straße umher und wecken uns nahezu jeden Morgen. Dazu ist der Nachbar begeistert von Hahnenkämpfen und besitzt aus diesem Grund sicher sechzehn prächtige Hähne. Und spätestens im Restaurant oder beim Essensverkäufer am Straßenrand kommt man dann nicht mehr am Hühnchen vorbei. Allgegenwärtig sozusagen ;).

• Lärm – Gehört hier einfach dazu. Es ist unheimlich schwer bis nahezu unmöglich in Samana einen stillen Ort zu finden. Die Musik vom Nachbar, die Motoconchos, die Autos mit Lautsprecherdurchsagen, die Hühner, die Hunde, die Alarmanlagen. Irgendetwas macht immer Lärm, egal zu welcher Uhrzeit.

• Obst und Gemüse – kauft man hier entweder auf dem Markt, oder beim Obst- und Gemüsehändler am Straßenrand. Gerade das Obst schmeckt hier meiner Meinung nach noch viel besser als in Deutschland und ist aber gleichzeitig viel günstiger. Im Moment gibt es Chinolas (Maracujas) im Überfluss, dazu Ananas und Papayas. Mit ein bisschen Glück findet man auch mal an einem Stand frisch geraspelte Kokosnuss, nicht vergleichbar zu der aus dem Supermarkt in Deutschland. An Gemüse gibt es auch ganz normal Kartoffeln, Gurken, Tomaten, Paprika, Brokkoli und Blumenkohl, dazu beispielsweise Yucca und einige Sachen, deren spanischen Namen ich mir leider noch nicht merken konnte. Bananen zu finden, wie wir sie kennen, ist nicht die leichteste Aufgabe. Wenn man sie aber doch findet, sind sie noch mal viiiiel besser als die deutschen Bananen (wie eben alles Obst eigentlich). Es gibt aber auch noch Kochbananen (Platanos), die man kochen muss, bevor man sie isst. Daraus kann man zum Beispiel Mangú (Kochbananenbrei) oder Tostones (frittierte Kochbananen) machen, ebenfalls sehr lecker.

• Palmen soweit das Auge reicht – dafür liebe ich Samaná! Genauso finde ich es immer noch richtig cool, dass hier die Obstbäume direkt an der Straße stehen. Vor unseren Häusern gibt es beispielsweise Bananenbäume, Mangobäume und Maracujabäume, und im Garten wächst ein Avocadobaum.

• Mosquitos – der Feind aller. Aus diesem Grund habe ich mein Mückenspray so gut wie immer dabei.

• Ventilatoren – unser bester Freund. Wenn „normales“ Wetter ist, ist vor bzw. unter dem Ventilator der einzige Ort, wo man es ertragen kann, ohne zu zerfließen (wenn selbst der Ventilator nicht mehr hilft bleibt als letzter Ausweg dann nur noch den Kopf in unser Gefrierfach zu halten, sieht aber in der Regel etwas komisch aus). Aber auch jetzt, wo es aktuell wegen des vielen Regens so feucht ist und wir gegen den Schimmel ankämpfen, laufen die Ventilatoren im Dauereinsatz.

• Colmados – sind die kleinen Tante-Emma-Läden an jeder Straßenecke. Die sind noch mal kleiner als die „Supermärkte“ in Samaná, erstaunlicherweise bekommt man dort aber trotzdem nahezu alles, was man braucht. Eier, Milch, Nudeln, Öl, Getränke, Kekse, Chips, z.T. Gemüse, Reis, Rum, Toilettenpapier, Seife, Spülmittel, alles was man so spontan im Notfall mal gebrauchen könnte. Ein Colmado ist allerdings nicht wie ein Supermarkt aufgebaut mit Regalen, an denen man sich selbst bedient, sondern man sagt an der Theke Bescheid, was man haben möchte und dann sucht der Mitarbeiter dir die Sachen zusammen.

• Guaguas (…spricht man aus wie „Wuawua“). Das sind die kleinen Busse, mit denen man in die nächste Stadt kommt. Für die Verbindung zwischen größeren Städten gibt es auch noch große Reisebusse von CaribeTours, die annähernd so etwas wie europäischen Standard haben. So eine Guagua hat unterschiedlich viele Plätze zur Verfügung, was ich gezählt habe waren meistens zwischen 13 und 20 Plätze. Das bedeutet aber nicht, dass dort jeweils 13 bis 20 Personen einsteigen, sondern es steigt ein, wer mitfahren will. In Puerto Plata sind wir mit einem Bus mit 13 Plätzen mit 23 Personen gefahren. Fragt mich nicht, wie das funktioniert hat, aber irgendwo ist immer noch ein Plätzchen frei. Berührungsängste sollte man da besser keine haben.

• wunderschöne Strände natürlich – wobei ich die nur ungern als „typisch“ bezeichnen möchte. Typisch hört sich so an, als wäre es nichts mehr Besonderes. Ist aber (bisher noch) jedes Mal wieder unbeschreiblich schön und besonders den Tag am Strand zu verbringen. Ich hoffe nicht, dass es jemals so weit kommt, dass ich nicht mehr beeindruckt von der Natur bin und es als alltäglich und gewöhnlich ansehe.

• Zucker – finden viele Dominikaner so toll, dass in vielen Sachen (vor allem in Getränken) so viel Zucker drin ist, dass es für unseren Geschmack schon viel zu viel ist. Deswegen achte ich beim Einkaufen nach Möglichkeit darauf, die Varianten ohne Zucker zu kaufen.

• Regen – gab es vor allem im November im Überfluss und die Stadt stand mehrfach unter Wasser, alles war voller Matsch und es gab mehrere Erdrutsche, zum Glück soweit mir bekannt ist ohne schlimmere Folgen. Regen spielt hier in der Dominikanischen Republik eine besondere Rolle. Sobald es regnet steht ein Großteil des öffentlichen Lebens still, die Menschen verschwinden von den Straßen, kommen zu spät oder gar nicht zur Arbeit und die Kinder gehen nicht mehr in die Schule. Die Frage, warum das so ist, konnte mir noch nicht so richtig beantwortet werden. Die gängigste Theorie, die ich gehört habe, ist, dass die Menschen Angst davor haben, krank zu werden. Eine andere Theorie ist, dass sich dann die mühsam geglätteten Haare wieder kringeln. Wenn man dann aber doch mal bei Regen nach draußen muss, wird selten ein Regenschirm benutzt, sondern die Leute bevorzugen es oft, sich Müllsäcke als Regenschutz auf den Kopf zu setzen oder sie direkt als „Regenjacke“ anzuziehen.

• Jeden Tag eine neue Überraschung – Eigentlich passiert jeden Tag etwas Unerwartetes und nie funktioniert etwas so, wie es geplant gewesen ist. Vereinbart man Termine, kann der andere nicht teilnehmen, weil die Handwerker kommen müssen, weil wieder mal eine Wasserleitung geplatzt ist, dann ist ein Loch im 2000 Liter Tank auf dem Dach und er läuft leer, dann geht das Internet nicht, der Strom fällt aus, Wasser tropft aus der Decke, dann gibt es mal wieder kein Wasser und man muss Wasser mit dem Gartenschlauch vom Nachbar holen, damit man noch die Klospülung benutzen kann, einer der Küchenschränke schimmelt, jemand ist krank, es regnet, der Blitz hat eingeschlagen, deine Klamotten schimmeln, eine Riesenspinne krabbelt durchs Wohnzimmer, Erdrutsche haben die Straße beschädigt und man kann nicht Auto fahren, der Bus kommt nicht, die Waschmaschine ist kaputt, die Gasflasche ist leer, auf einmal hat man den Türgriff in der Hand, anstatt die Tür zu öffnen, und ist eingesperrt … Alles schon passiert, daran habe ich mich mittlerweile aber zum Glück gewöhnt. Ich habe eingesehen, dass ich es eh nicht ändern kann, am Ende muss man sich mit all dem einfach abfinden und so hinnehmen wie es ist. Und wenn dann diese Woche etwas nicht klappt muss es halt nächste Woche gemacht werden. So ist es halt dann einfach.

Tatsächlich gäbe es noch deutlich mehr Punkte, um die man diese Liste ergänzen könnte. Um einen ersten Einblick zu erhalten, ist das aber denke ich zunächst mal ausreichend.

Mama Elba - Jakob Velleuer

Mama Elba - Jakob Velleuer

Nach einem Jahr Freiwilligendienst 2016/17 in der Dominikanischen Republik berichtet Jakob Velleurer in einem Abschlussbericht von seinen Erfahrungen.

 Als ich vor einem Jahr losgefahren bin konnte ich es kaum erwarten das Jahr zu beginnen und neue Dinge zu erleben. Ich war nicht aufgeregt oder eingeschüchtert, sondern ich wollte mich voll und ganz auf die neuen Erlebnisse einlassen. Hinzu kam, dass ich erst zwei Wochen später mein Auslandsjahr beginnen konnte und daher schon in den ersten Wochen mit reichlich Bildern und Eindrücken von meinen Kollegen/innen versorgt wurde.

 Ich hatte Erwartungen, die auch teilweise genauso eingetroffen sind, nämlich, dass ich in Situationen komme mit denen ich vorher nicht konfrontiert war, neue Kulturen, neue Menschen, eine neue Welt kennenlerne. Es kommt immer auf die Person an, ob sich jemand darauf vorbereitet oder viele Gedanken macht, jedoch habe ich diesen Schritt weggelassen, um einen authentischen und unvoreingenommenen Eindruck zu erlangen und um nicht die neuen Erkenntnisse distanziert aufzunehmen und aktiv Vorstellungen mit der Gegenwart zu vergleichen. Zu jeder Zeit hatte ich das Gefühl bei FreiWerk gut aufgehoben zu sein, auch wenn die Distanz sehr groß war. Auch in schwierigen Zeiten (Krankenhausaufenthalte) konnte man sich stets auf den Kontakt mit FreiWerk verlassen. Daher war auch das Zwischenseminar für alle von großer Bedeutung, um einerseits gewisse Umstände/Probleme/Erkenntnisse persönlich auszutauschen und andererseits die Kontaktperson mit unserem Leben, unserem Wohnen und unserem Arbeiten in den Projekten vertraut zu machen.

Jeder, der sich für ein FSJ entscheidet hat im Prinzip erstmal die gleiche Rolle. Denn es zählt in erster Linie sein Interesse und persönliches Engagement, Menschen zu helfen und sozial schwächeren Personen seine freiwillige Unterstützung anzubieten. Ich war in einer Schule tätig für Kinder mit größtenteils körperlichen und geistigen Behinderungen und denke, dass ich durch meine Unterstützung im Unterricht, die Lehrerinnen in ihrer Arbeit erleichtern konnte und Kindern Aufmerksamkeit geben konnte, die sie vielleicht sonst nicht bekommen hätten.

 In meinem Arbeitsbereich war ich teilweise überfordert, genau weil sehr oft meine Aufgaben nicht klar waren, was auf die eher spontane, und manchmal unorganisierte Arbeitsstruktur zurückzuführen war. Außerdem fehlte uns Freiwilligen in der Arbeit mit den Kindern die gewisse professionelle Erfahrung, um ein fortschrittliches, produktives Arbeiten zu ermöglichen. Zudem waren wir die Arbeit mit aktiven, energiereichen Kindern nicht gewohnt. Daher gestaltete sich der Unterricht nicht selten als anstrengend und körperlich ertüchtigend.

 In meinem Team, mit meinen Arbeitskollegen und in meiner WG habe ich mich stets wohl und aufgehoben gefühlt. Unsere Eigeninitiative war sehr gefragt und neue Ideen wurden auch gerne mit aufgenommen beispielsweise haben wir sowohl einen Englisch-Kurs als auch einen Computer-Kurs für die dort lebenden Menschen initiiert, welche auch gut bei den Menschen wahrgenommen wurden und man uns mit Freude und Dankbarkeit begegnete. Unter uns Freiwilligen kam es selten bis nie zu Konflikten, aber im Verlaufe der Zeit zeigte sich aufgrund mehrerer Vorfälle mit Einheimischen, dass dort doch zwei unterschiedliche Welten und Menschenarten aufeinanderprallten, da wir nie ganz das Bild des reichen, schönen, europäischen Touristen loswurden.

Den neuen Freiwilligen im Projekt rate ich, ohne Vorurteile in dieses Abenteuer zu starten und auch an anfänglichen Schwierigkeiten, Problemen oder Hürden nicht zu verzweifeln, denn dies gehört alles zum Auslandsjahr und allem was es mit sich bringt dazu. Die neuen Freiwilligen sollten ein gewisses Maß an Flexibilität aber auch Zurückhaltung mit sich bringen und zugleich Interesse haben mit Kindern zu arbeiten. Auch eine gewisse Offenheit gegenüber neuen Kulturen und neuen Menschen ist enorm wichtig. Wer auf der Suche ist nach neuen Eindrücken, seinen Horizont erweitern will, sich besser kennenlernen will und abenteuerlustig ist, dem kann ich das Projekt und das Land nur ans Herz legen.

Am Anfang war es schon eine gewaltige Umstellung kaltes Wasser zu haben, bedingt Strom nutzen zu können, selber Wäsche zu waschen etc., aber ich habe mich relativ schnell an die neuen Umstände gewöhnt und muss sagen, dass ich insgesamt sehr zufrieden mit meiner Wohnsituation, meinen Mitbewohnern und der landestypischen Ausstattung unserer Wohnung war.

 Kontakt mit Einheimischen war insofern gegeben, dass wir während unserer Arbeit in den Projekten mit Dominikanern zu tun hatten und auch einige in unserer Freizeit kennengelernt haben, jedoch haben wir größtenteils Unternehmungen mit anderen Freiwilligen gemacht.

Am Anfang habe ich mich ziemlich verloren gefühlt mit meinen vereinzelten Spanischkenntnissen. Vor allem, da das dominikanische Spanisch sich sehr von dem Spanisch, welches man in der Schule lernt, unterscheidet. Aber mit der Zeit hat man immer mehr verstanden, Wortlaute und Redensarten übernommen und gemerkt, dass auch eine nonverbale Kommunikation mit Händen und Füßen notwendig und hilfreich war. Da ich vorher noch keinen Eindruck von meinem Gastland hatte, kann ich nur über meinen jetzigen Eindruck berichten.

Wie schon zuvor angesprochen, macht nicht nur die Distanz die dominikanische Republik zu einer ganz neuen Welt, sondern auch ihre wunderschöne Natur und ihre insgesamt gastfreundlichen und lebensfrohen Menschen lassen das Bild eines Entwicklungslandes manches Mal vergessen. Für mich bestätigt sich im Endeffekt einmal mehr das Vorurteil der deutschen Bürokratie und Ordnung und ich wünschte so manch ein Deutscher hätte das gewisse Etwas an dominikanischer Spontanität, Offenheit, Gastfreundschaft, Leichtigkeit und Ruhe in sich.

Mein FSJ wird auf jeden Fall auch in Zukunft meine Lebensplanung und Einstellung beeinflussen, da ich so viele Erinnerung mitnehmen durfte, die ich nicht vergessen werde und die mich ständig begleiten werden. Das ganze Auslandsjahr mit all seinen Höhen und Tiefen war ein einschneidendes Erlebnis und prägendes Ereignis. Jeder Tag hat etwas Neues mit sich gebracht und ich würde alles noch einmal so machen.

Social Media - Jonathan Krist

Social Media - Jonathan Krist

In der Dominikanischen Republik im Städtchen Samaná arbeitet Jonathan Krist im Bereich Social Media in der Fundación Aldeas de Paz von 2016 bis 2017. Wir haben ihn gebeten, uns einen Erfahrungsbericht anzufertigen und zu berichten, wie er die dominikanische Kultur und seinen Alltag bisher erlebt hat:

4 ganze Monate befinde ich mich nun schon in der dominikanischen Republik. Unfassbare 100 Tage sind schon vergangen. Ohne es zu merken fliegt die Zeit hier in Samaná an mir vorbei.

Ich arbeite in der Fundacion Aldeas de Paz („Friedensdörfer“) im Social Media Bereich. Mein Aufgabenfeld ist damit breit gefächert und es wird mir nie langweilig.

Zu meinen alltäglichen Aufgaben gehört das Dokumentieren der Arbeit, die unsere Organisation vor Ort leistet. Das bedeutet vor allen Dingen immer eine Kamera im Gepäck zuhaben. Diese bekommen wir Freiwilligen mitsamt Stativ und Mikrofon gestellt. Das aufgenommene Material muss später auch noch editiert werden. Das dauert seine Zeit, wer aber Spaß daran hat mit Adobe Premiere/Photoshop und ähnlichen Programmen zu arbeiten, wird gar nicht merken wie sie vorüberzieht, das bestätigen mir zu mindestens meine eigenen Erfahrungen.

Darüber hinaus muss die Facebookseite der Organisation gepflegt, ein monatlicher Newsletter verfasst und Recherche zu unterschiedlichen Themen betrieben werden. Wir bieten sowohl einen Computerkurs als auch einen Englischkurs für Einheimische an, den sie unentgeltlich, zweimal die Woche, wahrnehmen können. Wir bereiten alle Materialien und Inhalte des Unterrichts selber vor, eine Menge Arbeit, aber die Motivation der Teilnehmer motiviert auch uns „Lehrer“ ungemein.

Im letzten Monat habe ich begonnen in einen intensiven Dialog mit einem Unternehmen zu treten, das von uns beauftragt worden ist eine modernere Webpage zu entwerfen und damit unsere Internetpräsenz zu verbessern. Gerade diese Arbeit empfinde ich als äußerst spannend und vielseitig. Obwohl ich nicht selber Veränderungen im Design vornehme, darf ich mir Designvorschläge überlegen, den Fachleuten vorlegen und mit Ihnen über diese diskutieren. So wirke ich direkt am Aufbau der neuen Seite mit, eine Aufgabe die ich mir zu Beginn meines Aufenthaltes niemals vorgestellt hätte. Mein Bereich bietet viele Facetten und so wird der Alltag immer wieder durch neue, vielschichtige Entfaltungsmöglichkeiten durchbrochen.

An den Wochenenden machen wir häufig Ausflüge in andere Städte oder zu Sehenswürdigkeiten in der Umgebung. Natürlich dürfen dabei die regelmäßigen Besuche an den Traumstränden nicht fehlen und von denen gibt es mehr als genug.

Neben der Arbeit lässt sich also auch das Freizeitleben in der Karibik genießen. Besonders schön ist das Zusammenleben mit den anderen Freiwilligen. Wir sind eine große Gemeinschaft von insgesamt 14 Freiwilligen, darunter 8 „Rotkreuzler“, wie wir meistens von Manfred, dem Organisationsleiter, genannt werden. Wir haben das Privileg ein Jahr an diesem wunderschönen Ort zu bleiben, während andere Freiwillige nur einige Monate bleiben. Es entstehen enge Freundschaften zu Personen aus der ganzen Welt, doch leider musste ich mich auch schon von einigen verabschieden, die zurück in ihre Heimat gegangen sind.

Der Kontakt zu diesen Menschen bleibt zum Glück und es kommen immer wieder neue Freiwillige an, sodass nie ein Mangel an interessanten Gesprächen oder lustigen Erlebnissen herrscht. Der Kontakt zu Einheimischen ist mir gerade am Anfang schwer gefallen. Dies lag wohl hauptsächlich an meinen geringen Spanischkenntnissen, die ich jedoch mithilfe der von der Organisation angebotenen Sprachkurse und der App „Duolingo“ verbessern konnte. Dadurch fällt es mir schon viel leichter Kontakte zu knüpfen oder mich mit Menschen auf der Straße oder beim Einkaufen zu unterhalten. Trotz alledem ist die Sprachbarriere die größte Hürde meines bisherigen Aufenthaltes gewesen. Es erfüllt mich jedoch immer wieder mit Zuversicht und Freude, wenn ich mich mit Dominikanern in meiner Freizeit treffen und unterhalten kann.

Ich freue mich auf die weitere Zeit, die ich in Samaná verbringen darf, auf die vielen weiteren Projekte die ich zusammen mit anderen Freiwilligen entwickeln werde und am meisten freue ich mich darauf weitere unvergessliche Erfahrungen zu sammeln.

Krankenhaus - Manja Ratmann

Krankenhaus - Manja Ratmann

Manja Ratmann absolviert im Jahr 2016/17 ihren Freiwilligendienst im Krankenhaus in Samaná in der Dominikanischen Republik. Sie hat beim Verfassen ihres Zwischenberichtes einen kreativen Schub genutzt und diesen in einem Gedicht verpackt:

Samaná. Ein Zwischenbericht

Im Grunde bin ich seit kurzem erst hier

und doch fühlt es sich ewig lang an,

seit in Berlin ich das letzte Mal

aus der heimischen Türe kam.

 

Im traurigen Monat September war's

Die Tage wurden trüber,

Der Wind riss von den Bäumen das Laub,

Ich flog in die DomRep hinüber.

 

Und als ich die spanische Sprache vernahm,

Da ward mir gar seltsam zumute

Ich hab die Berliner Schnauze so gern

Ohne sie ist’s als ob ich verblute.

 

Doch auch ohne ihr fühl' ick mir wohl,

Denn ich habe hier tolle Menschen

Beinah’ immer und immer um mich herum

Solche kann ich auch Euch nur wünschen!

 

Den ganzen Tag, von morgens früh an,

Bin ich dann umgeben

Von Menschen, Tieren und unglaublich viel Lärm,

Doch das lässt sich wohl nicht beheben.

 

Nur ganz früh in der Morgenstund',

Da habe ich meine Ruhe

Und schaue mir die Sonne an,

Wie sie wandert ganz ohne Schuhe.

 

Dann bin ich draußen, mache Sport

Yoga für's Wohlbefinden

Flink unter die Dusche, ich esse noch,

Bevor ich die Scrubs muss binden.

 

Nun geht es los zum Krankenhaus,

Ab in die Notaufnahme.

Die Gänge sind leer, die Liegen auch,

Doch Böses ich ganz schnell ahne.

 

Der Schockraum ist voll als ich komm' herein,

Gleich muss ich ganz schnell rennen!

Spritzen, Kanülen, alles muss her,

Bevor sie für immer wegpennen.

 

Furchtbare Dinge sieht man hier,

Ganz besonders große Blutmengen,

Grad’ bei Unfällen, die ganz oft passier'n,

Wenn Menschen sich zu sehr drängen.

 

Doch meistens ist es nicht so schlimm,

Da hat man viele Routinen:

Handschuhe, Spritzen und Diclofenac,

Man muss sich die Pause verdienen.

 

Am Wochenende zieh’n wir zum Strand,

Und machen viele Ausflüge.

Wasser, Palmen, Grotten und Sand

Gibt es hier nur zu genüge.

 

Neulich sind wir sogar zum Möbelhaus

Nach Santo Domingo gefahren.

Dort was es beinahe wie Zuhaus'!

Wir gingen mit zahlreichen Waren.

 

Verbessern möchte ich mein Spanisch noch,

Das Ziel werd' ich schon erreichen.

Ansonsten fällt mir grade nichts ein,

Was weiter ich hätte zu beichten.

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